Ich möchte noch auf Folgendes aufmerksam machen. Nicht von allem Anfang, nicht vom 28. Oktober an sind die Herren auf dem Standpunkt gestanden, daß die Deutschen an der Verfassung nicht mitzuwirken haben. O nein! In der Unabhängigkeitserklärung, welche im Oktober 1918 in Amerika von Masaryk, Beneš und Štefánik hinausgegeben wurde, ist schon angedeutet, daß sich das Volk selbst die Verfassung geben werde, und als am 14. November vor 2 Jahren hier in diesem Saale die frühes Nationalversammlung eröffnet wunde, da hat Dr. Kramáø als Vorsitzender ausdrücklich gesagt: »Die Nationalversammlung ist noch keine Konstituente.« Auch in der Antwort, die dis frühere Nationalversammlung dem Präsidenten Masaryk auf seine Weihnachtsbotschaft erstattet hat im März 1919, auch noch in dieser Antwort ist die Rede davon, daß die Nationalversammlung möglichst bald verschwinden müsse, um einer konstituierenden Versammlung Platz zu machen. Man hat also unser Recht, an der Verfassung mitzuwirken, ausdrücklich anerkannt. Denn es ist klar, daß eine gewählte konstituierende Nationalversammlung nicht ohne uns hätte zustande kommen können. Und ich möchte bei dieser Gelegenheit doch darauf aufmerksam machen. Das sollten Sie uns doch nicht als ein besonderes Zugeständnis hinstellen, daß Sie uns das Wahlrecht gegeben haben. Das ist doch einigermaßen geschmacklos. Denn wie hätten Sie irr einem Staate, der sich eine demokratische Republik nennt, 3½ oder 4 Millionen Menschen vom Wahlrecht ausschließen wollen? Ich meine, daß ich denn doch zu kindisch und naiv, uns das als ein Benefizium anzukreiden. Das ist doch kein Beweis für Wohlwollen. (Sen. dr Soukup: Jaký byl nᚠvolební øád v Rakousku?) Bitte sehr. Ihr Wahlrecht in Österreich war seit 1907 das allgemeine gleiche Wahlrecht. (Hlas: To byla volební geometrie! - Nepokoj a výkøiky.) Ich bitte, habe ich das Wort oder nicht? (Pøedseda zvoní.) Das Wahlrecht der Èechen war in der österreichischen Zeit immer genau das gleiche Wahlrecht wie das der Deutschen, und was die Wahlgeometrie betrifft, so ist die Wahlgeometrie im èechischen Staate keineswegs gerechter als die Wahlgeometrie im österreichischen Staate. (Potlesk a souhlas nìm. senátorù. - Sen. dr Soukup: Volební právo pomìrné!) Auch darauf gehe ich ein. Gewiß. Es ist wahr. Im Jahre 1861 wurde das Verhältniswahlrecht nicht zugestanden, das ist richtig. Weil es eben damals noch keine Theorie vom Verhältniswahlrecht gab. Sie dürfen doch nicht so anachronistisch sein und vom Jahre 1861 das verlangen, was das Jahr 1920 bietet. Das Verhältniswahlrecht ist eine neue Schöpfung, es ist keine èechische Erfindung, sondern heute in der deutsch-österreichischen Republik, in der deutschen Republik, überall, eingebürgert, es liegt in der Luft, es ist keine Konzession an uns. (Sen. Havlena: Nemáme v Nìmeckém Rakousku ani jednoho poslance!) Ich gebe auch das zu. Diese Feinheiten des 2. und 3. Skrutiniums sind dort nicht so herausgearbeitet wie hier. Das gebe ich zu. Wenn Sie eine so starke Minderheit hätten in Deutsch-Österreich wie wir hier, so wäre es unmöglich, daß sie im deutsch-österreichischen Parlament ohne èechischen Vertreter wäre. Der Herr Ministerpräsident hat gesagt, wir sollen uns auf den Boden der èechischen Verfassungsurkunde stellen. Ich habe schon erwähnt, daß diese Verfassungsurkunde für uns deshalb mit einem unauslöschlichen Makel behaftet ist, weil wir an ihr, nicht mitgewirkt haben. Aber ich will nur weiter gehen. Der Herr Ministerpräsident hat ferner gesagt, wir sollen die èechische Verfassungsurkunde desanerkennen, weil uns diese ohnehin alle Freiheiten die wir beanspruchen können, gewähre. Damit ist die Frage gestellt, ob diese Verfassung uns etwa inhaltlich genügen kann. Nun, ich muß von vornherein bestehen, die Vermutung spricht nicht dafür, denn wenn die Verfassungsurkunde gar so gut wäre, dann hätten sie die Herren nicht sozusagen bei verschlossenen Türen machen müssen, dann hätten sie uns mithineinrufen können, damit wir sie mitmachen. Wenn aber die Herren dis Verfassungsurkunde und das Sprachenge setz, welches ja einen Bestandteil der Verfassungsurkunde bildet, wenn Sie beides ohne uns gemacht haben, so haben sie das nur aus dem Grunde getan, weil sie sie gegen uns machen wollten. Das ist eine Tatsache, die sich durch gar nichts widerlegen läßt. Ich möchte aber doch eine Einzelheit herausgreifen. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß die Èechoslovakei einen Minderheitsschutzvertrag unterschreiben hat, den die fünf Hauptmächte von ihr verlangt haben. In diesem Vertrage ist auch unser Recht, unsere Sprache zu gebrauchen, festgelegt. Und die Verfassungsurkunde der Èechoslovakischen Republik hat diese Bestimmung aufgenommen, weil sie sie aufnehmen mußte. Es heißt im § 128 der Verfassungsurkunde: »Die Staatsbürger der Èechoslovakischen Republik können in den Grenzen der allgemeinen Gesetze jede beliebige Sprache im privaten und Handelsverkehr, in Angelegenheiten der Religion, in der Presse und in was immer für Veröffentlichungen der in öffentlichen Volksversammlungen frei gebrauchen. Bis hierher stimmt das mit dem Minderheitsvertrag überein, jetzt kommt aber der Pferdefuß - und das ist èechoslovakischer Eigenbau - daß hinzugeführt wurde: »Hiedurch werden aber die Rechte nicht berührt, welche den Organen des Staates in dieser Richtung nach den geltenden oder künftig zu erlassenden Gesetzen aus Gründen der öffentlichen Ordnung und staatlichen Sicherheit, sowie der wirksamen Aufsicht zustehen.« Was mit der einen Hand gegeben wird, wird mit der anderen genommen. Wir haben das Recht, die Sprache zu gebrauchen, die wir wollen. Aber die Polizei hat das Recht zu tun »was im Interesse der öffentlicher. Ordnung notwendig ist.« Das ist die freiheitliche Verfassungsurkunde vom 29. Feber 1920. Das ist ein Beispiel, das ich herausgegriffen habe. Ich kann den Herrn mit einer ganzen Menge anderer Beispiele dienen. Ich habe das deshalb herausgegriffen - und ich Tabe seinerzeit zu Ostern schon darauf hingewiesen, daß hier der Minderheitsschutzvertrag verletzt wird - weil jetzt in den letzten Twen eine juristische Arbeit erschienen ist, von einem èechischen Kollegen, den ich als Fachmann außerordentlich hoch schätze, wo gegen mich aufgetreten und gesagt wird, daß durch diesen Satz, den ich soeben verlesen habe, doch nicht das zurückgenommen wird, was im Vordersatz steht. Es sei doch klar, daß, wenn jemand in fremder Sprache zu strafbaren Handlungen auffordern würde, man gegen ihn einschreiten könne. Das ist selbstverständlich, aber nicht wehen der Sprache, sondern wegen des Inhaltes dessen, was in dieser Sprache gesagt, wird er gestraft. Ich meine, wenn ein hervorwagender Jurist sich zu einer derartigen Deduktion versteigen kann. Tauben Sie, daß wir dann Vertrauen haben können zu einer derartigen Gesetzesmacherei? In demselben 128 heißt es gleich am Anfang: »Alle Staatsbürger der Èechoslovakischen Republik sind vor dem Gesetze einander vollkommen gleich, uni genießen die gleichen bürgerlichen und politischen Rechte, ohne Rücksicht auf Rasse, Sprache und Religion«, das heißt also, alle Staatsbürger ohne Unterschied der Nationalität und Konfession werden gleich behandelt. Was haben aber Sie daraus gemacht, beziehungsweise - ich will Ihnen persönlich absolut keinen Vorwurf machen - was die Prager Gasse aus dieser Gleichberechtigung der Staatsbürger ohne Unterschied der Nationalität und Konfession gemacht? Sie ist in gleicher Weise vorgegangen gegen alle Deutschen, ohne Unterschied der Konfession und gegen alle Juden ohne Unterschied der Nationalität. (Veselost na levici.) Sie haben den Minderheitsschutzvertrag, ich muß es noch einmal erwähnen, unterschrieben aber ich frage Sie Kümmert sich irgend jemand im èechischen Volke, kümmert sich irgend jemand in der hiesigen Regierung, kümmert sich irgend jemand in der èechischen Literatur um diesen Minderheitsschutzvertrag? Gar keine Ahnung! Der Minister des Äußeren Dr. Beneš hat voriges Jahr in der Nationalversammlung erwähnt: »was das Volk, was der èechoslovakische Staat unterschrieben hat, wird er halten«. Gar kehle Spur! Es wird nichts gehalten. Wir haben hier das volle und gute Recht, in Prag deutsch zu sprechen und unsere Aufschriften in deutscher Sprache anzubringen, und der Prager Bürgermeister stellt sich diesen deutschen Tafeln entgegen und Herr Kollege Sokol hat vorhin auf meine Bemerkung, daß man am 28. Oktober vor 2 Jahren uns dir deutschen Tafeln heruntergenommen hat gesagt strašlivá vìc, schreckliche Sache. Er hat die Sache ironisiert, er ironisiert unser Recht hier, in Prag, in der Hauptstadt dieses Reiches, unsere Sprache zu gebrauchen. Das sagt er, obwohl im Minderheitsschutzvertrag steht, daß wir rechtlich und tatsächlich gleichgestellt sein sollen den anderen Staatsbürgern in Bezug auf den Gebrauch unserer Sprache. Das ist etwas, was so sehr in die Augen springt, daß, es doch kaum von einem ehrlichen Èechen geleugnet werden kann. Es ist überhaupt so eigentümlich, daß die Verträge, die geschlossen werden, die Übereinkommen, die getroffen werden, hier so wenig beachtet werden. Es ist der Minderheitsschutzvertrag nicht beachtet worden, es ist der sogenannte Pittsburger Vertrag nicht beachtet worden, es ist nicht beachtet worden das Übereinkommen, das in ganz solenner Weise im Jahre 1882 abgeschlossen wurde zwischen Deutschen und Èechen über die Prager Universität. Und da möchte ich einem der Herren Vorredner erwidern, der gesagt hat, gerade von deutscher Seite werde immer angestürmt gegen die Kulturgüter des èechischen Volkes. Ich meine, was uns angetan worden ist in Bezug auf die deutsche Universität, das übersteigt wohl schon alles, as bisher vorgekommen ist. Sie haben ihr den Namen genommen, dis Recht auf das Karolinum genommen, unsere Insignien genommen. Ich will richt sagen, daß Sie uns alles genommen haben die Dinge sind doch noch stärker als das Papier, aber auf dem Papier ist das alles niedergelegt worden und mit dieser Kulturschande hat sich die frühere Nationalversammlung belastet, ehe sie auseinander gegangen ist. Das ist etwas, was nicht mehr gutgemacht werden kann. Dieser Makel bleibt auf der früheren Nationalversammlung haften und ich weiß sehr wohl, daß keineswegs alle Mitglieder der früheren Nationalversammlung in dieser Sache einig waren, aber auch sie konnten sich dem nationalistischen Terror, der da ausgeübt wurde, rächt entziehen. Und wenn iah schon von Abmachungen spreche, die nicht gehalten worden sind, verweise ich auf das, was heute von berufener Seite gesagt wurde, auf das Übereinkommen, das bezüglich beider Landesbühnen geschlossen wurde, wo auch ausdrücklich und feierlich im Böhmischen Landflag, unter Zustimmung der Èechen, unter Zustimmung des Führers der èechischen Nation Dr. Rieger, festgelegt wurde: »Das eine Theater ist deutsch und das andere èechisch.« Und nun geht die Prager Gasse über dieses Übergenommen hinweg. Ich glaube, es ist ja sehr wohlwollend, wenn ich sage, die Prager Gasse. Denn es wäre noch: belastender, wenn ich sagen möchte, die Prager Intelligenz. Die Regierung, ich muß es zugeben, die Regierung hat unsere Rechte bisher nicht bestritten, sie hat nur gesagt, sie kann uns zu unserem Rechte richt verhelfen. Das ist ja gewiß auèh nicht gerade ein idealer Zustand, aber ich muß hier wenigstens in dieser Frage den Herren von der Regierungsbank bona fides zubilligen. Dazu halte ich mich verpflichtet. (Sen. dr Naegle: Dann sollen sie die èechischen Vorstellungen im Landestheater nicht dulden!) Auch bezüglich der èechischen Vorstellungen sagt die Regierung, daß sie ohne Blutvergießen nicht im Stande sei, den gegenwärtigen Zustand zu ändern. Es ist gewiß außerordentlich traurig, aber immerhin, wenn ich als Strafrichter eine solche Verantwortung würdigen müßte, müßte ich sagen, es fehlt hier dem, der das behauptet, nicht an der bona fides. Aber die Prager Gasse hat allerdings unter der Patronanz des Prager Bürgermeisters der am ersten Abend die Honneurs gemacht und das Publikum empfanden hat, - ein Advokat! - der von diesem hohem Hause in einer der letzten Sitzungen zum Mitglied des Verfassungsgerichtes gewählt oder vorgeschlagen wurde, das deutsche Landestheater, das von unberufenen Elementen mit Beschlag belegt wurde, für das èechische Volk in Anspruch genommen. Ich habe gesagt, ich will nicht sprechen über das, was geschehen ist, sondern über die Ursachen dessen, was geschehen ist, und über das, was geschehen soll. Es geht schon aus dem, was ich gesagt habe hervor, was geschehen muß. Es bleicht nichts anderes übrig, als daß man den Weh geht, den man von allem Anfang an hätte gehen müssen und den der Begründer dieses Staates, der gegenwärtige Präsident der Republik, für notwendig erachtet hat. Man muß mit den Deutschen verhandeln, ob es nun den Herren angenehm ist oder nicht. Das ist ganz gleichgültig Sie können nur in einem Falle sich dieses Verhandlungsweges entschlafen, wenn Sie damit einverstanden sind, daß die èechoslovakische Republik zu Grunde gehen soll. Wollen Sie aber, daß die èechoslovakische Republik erhalten bleibt und sich nach Ihren Wünschen entwickelt, dann müssen Sie dafür sorgen, daß sich die Deutschen mit ihr befreunden. Der èechoslovakische Staat ist ein Staat von zartem Bau. Er hat eine sehr unglückliche Grenzentwicklung, er ist von Nachbarn umgeben, von denen Sie wissen, daß sie unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht die Freunde der Èechen und Slowaken sind, und zwar gilt dies auch von dem stammverwandten Volke der Polen. Der Staat kann sich bei einer solchen Gestalt, wie er sie bekommen hat, nicht entwickeln, er kann nicht bestehen bleiben, wenn er nicht Ruhe und Ordnung im Innern hat, und Ruhe und Ordnung im Innern kann er nicht haben, wenn Sie sich mit den Deutschen nicht zum Verhandlungstisch setzen. Anders ist es überhaupt nicht zu machen. Eine Gewaltpolitik, das dürft doch die Lehre sein, die Sie aus den letzten Tagen gezogen haben könnten, eine Gewaltpolitik führt, nicht zum Frieden. Es hat die Verfassungsurkunde von der ich früher gesprochen habe, ein Motto, und in diesem Motto, das der amerikanschen Verfassung nachgeahmt ist, heißt es, daß die Èechoslovaken sein wollen ein friedliebendes Volk, ein friedliebendes Mitglied des Völkerbundes. Friedliebend! In welchem Sinne sind Sie, meine Herren, friedliebend? Gewiß sind Sie friedliebend, denn Sie lieben den Frieden von St. Germain. Sie lieben den Frieden von Versailles. Sie lieben den Gewaltfrieden. Aber ein. Gewaltfriede ist kein Friede, ein Gewaltfriede ist nichts anderes als die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Auf dem Gewaltfrieden haben Sie alles aufgebaut, was in diesem Staate zu finden ist. Ich habe schon gesägt, ursprünglich, war es nicht Ihre Absicht, die Verfassung ohne uns zu machen, ursprünglich haben Sie uns mit dabei haben wollen. Und warum sind Sie von dieser Absicht abgekommen? Nur weil mittlerweile das Friedenswerk in der Weise in Angriff genommen wurde, daß man die besiegten Deutschen, die besiegten Österreicher u. s. w. nicht zum Verhandlungstisch kommen ließ, und dieses große Beispiel, das Clemenceau gegeben hat, haben Sie hier im Lande nachzuahmen versucht. Sie haben sich gesagt, »so wie man in Paris die Besiegten nicht zum Tisch kommen ließ, lassen wir auch die Deutschen nicht zum Tisch kommen«, und so haben Sie den Frieden ohne ans machen zu können geglaubt. Aber Sie sehen jetzt schon, oder könnten wenigstens sehen, daß auch der Gewaltfriede noch nicht die Lösung des Problems bietet, daß auch der Gewaltfriede wird revidiert werden müssen. Aber der Gewaltfriede ist ein Friedensvertrag, der geschlossen wurde zwischen Staaten, die wirklich miteinander im Kriege waren und von denen jeder sein eigenes staatliches Leben führt. Deutschland und Österreich führen ihr eigenes staatliches Leben, beide sind durch den Frieden nicht vernichtet worden, wenn auch allerdings das arme Österreicher, der Grenze der Existenzmöglichkeit steht auch Deutschland existiert weiter als souveräner Staat. Indem Sie hier einen Gewaltfrieden haben schließen wollen durch die Verfassungsurkunde, haben Sie sich selbst ins Fleisch geschnitten, denn Sie haben in Ihrem eigenen Staate, wo Sie gleichberechtigte Staatsbürger zu haben erklären, eine Scheidewand errichtet, zwischen Èechen und Slovaken auf der einen Seite und den übrigen Völkern auf der anderen Seite, wobei ich bemerken will, daß es zwischen Èechen und Slowaken ja auch nicht so besonders friedlich zugeht. Auf der einen Seite wollen Sie das Oktroi nicht aufgeben, auf der anderen Seite wollen Sie uns zur Liebe zwingen, - das ist das, was heute der Herr Kollege Klofáè eigentlich in seiner Rede gesagt hat, die gewiß sehr viel beherzigenswertes enthalten hat und wobei wir sehr vielem von dem, was er gesagt hat, zustimmen, aber das war beiläufig sein Sinns Ihr sollt uns doch endlich lieben. Das, meine Herren, komm i mir vor, wie wenn jemand mit einem andern einen Streit hat, es kommt zu Tätlichkeiten, der eine kniet auf dem andern und sagt nun: »Wirst du mich endlich lieben« (Veselost na levici.) Wellen Sie, daß es besser wird in diesem Staate, -- und schließlich wollen wir das doch alle, denn es geht ja auch um unser Wohl und Wehe, um unser Leben und unser Gut, - wollen Sie, daß es besser werden soll in diesem Staate, dann müssen Sie sich an das Wort Erinnern, welches der Präsident der Republik am 29. Oktober 1918 in Amerika gesagt hat, im Lande der Freiheit - vielleicht wirkt die Prager Luft einigermaßen anders - welches er damals gesagt hat: »Mit den Deutschen muß verhandelt werden.« (Souhlas a potlesk nìmeckých senátorù.)

6. Øeè sen. dr Herzigové (viz str. 270 protokolu):

Hohes Haus! Im Namen der deutschen Frauen und. Mütter erhebe ich energischen Protest gegen das Vorgehen der Prager Gasse gegen deutsches Leben und deutsche Kultur, gegen die Denkmalsschändungen in Teplitz, Eger, Asch etc., Protest ein die rohe Gewalt. Wir Deutsche sind dem èechoslovakischen Staat als ein wichtiger und integrierender Bestandteil einverleibt worden, - rückt als innere Feinde, wie sich ein Mitglied der Regierund ebenso schön wie sinnreich ausdrückte, sondern als vollberechtigte Mitbürger, die bis jetzt ihren Staatspflichten in vielem besser als die Èechen nachgekommen sind Wir Deutsche haben als Staatsbürger dieselben Rechte und verfangen dieselben auch. Wir deutschem Senatoren stehen hier in Vertretung unseres deutschen Volkes, nicht als Gäste, sondern als gleichberechtigte Mitglieder des Hauses und haben als Deutsche die Pflicht, unseres Volkes Rechte zu Nahren. (Místopøedseda Kalèák pøevzal pøedsednictví.)

Wie Sie, meine Herren, über die Vorgänge urteilen, das hängt von Ihrem politischen Denken und. Fühlen. Ihrem Gerechtigkeitsgefühl und Ihrer Humanität ab. Diese Vorgänge der letzten Zeit müssen Sie mit Zukunftssorgen erfüllen. Es mag für staatserhaltende Parteien des Hauses, wie Sie sich so gerne nennen lassen, eine Warnung sein, nicht so weiter zu experimentieren. In dem Staate der èechoslovakischen Republik spuken allzuviele Gespenster. Da ist das Gespenst der alten Monarchie, die das Furchterregendste für die Gasse ist, weiter das Gespenst der Reaktion in Ihren eigenen Reihen, weiter das Gespenst des Bolschewismus etc. lauter recht kräftige Gespenster, und selbst das èechische Volk, so stark es geistig sein mag, ob es stark genug ist, all dieser Gespenster Herr zu werden, wird noch die Frage sein. Wir Deutschen sollen ja eigentlich dankbar sein, daß Sie mit allen Mitteln - und der èechische Chauvinismus ist nicht wählerisch - Alles tun, um in unserem deutschen Volke Nationalbewußtsein zu erwecken, seine Widerstandskraft zu stärken und es mit kriegerischem Geist zu erfüllen. Nicht wir Deutschen, sondern Sie selbst untergraben das Fundament Ihres Staates. Und Sie mögen erwägen, daß schneller zugrunde gerichtet ist als aufgebaut. Will der Staat die Deutschen in jeder Weise verelenden und herausfordern und so seine Position festigen, sein Kulturansehen von der Welt fördern? Ist das der Weg zu ungestörter demokratischer Entwicklung? Sie sind auf dem besten Wege, die Völker des èechischen Staates noch mehr auseinander zu regieren. Einen so großen Volksteil, wie die Deutschen in der Èechoslovakei, kann man auf die Dauer reicht so behandeln. Jedes Unrecht rächt sich früher oder später. Nicht wir Deutschen werden das Geschehene bezahlen müssen. Die Regelung für diese Vorgänge werden Sie bezahlen. Allerdings, wann der Wechsel fällig sein wird, das können wir heute nicht sagen. Die Mütter unseres Volkes sehen das Leben ihrer Kinder gefährdet, sie sehen ihre Söhne und Töchter, die nach Prag kommen, um an einer alten deutschen Universität zu hören und zu lernen, an ihrem Leben bedroht, ihres Eigentums, ihres kulturellen Eigentums beraubt. Sie sehen, daß man sie auf die Straße wirft und daß sie ihres Lebens nicht mehr sicher sind. Am Schlimmsten ist es aber, daß man ihre Jugend vergiftet, ihren Geist mit Haß und Wut erfüllt. Sie treiben Zukunftspolitik durch diese furchtbaren Vorgänge. Wir deutschen Frauen fordern für unsere Jugend Sicherheit, wir fordern die Erhaltung unserer deutschen Kultur, auf die wir auch in Prag stolz sein können (Bravo!) und mit Grund stolz sind. Wir erheben Protest gegen die planmäßige, von den Behörden unterstützte Deutschenhetze und gegen die jeder Kultur hohnsprechenden Denkmalschändungen. (Souhlas nìmeckých senátorù.)

7. Øeè sen. dr Ledebur-Wichelna (viz str. 271 protokolu):

Hoher Senat! Sehr verehrte Damen und Herren! Die im deutschen parlamentarischen Verband vereinigten Parteien haben mich mit der Aufgabe betraut, ein Dolmetsch der Gefühle zu sein, weiche das von uns vertretene deutsche Sudetenvolk angesichts jener Erscheinungen empfindet, die sich in den letzten Monaten in diesem Staate zugetragen haben.

Lassen Sie mich mit fier Erklärung beginnen, daß ich auf eine eingehende Schilderring der zahllosen Übergriffe nationalen Wahnsinns verzichte, da es mir ferne liegt, eine Flamme des nationalen Hasses und Kampfes in diesem Hause noch weiter schüren zu wollen. Ich habe mir vorgenommen, die Tatsachen, die sich an die Namen Teplitz, Reichenberg und Prag knüpfen - ich möchte speziell einige Worte über Teplitz hinzufügen, da ich mich als unmittelbarer Nachbar dieser Stadt hiezu verpflichtet fühle - der Würde des Hauses entsprechend vorurteilsfrei auf dem Baden des wenigstens dem Worte, dem Buchstaben nach noch geltenden Rechtes und auf dem Boden der in deutschen Herzen noch existierenden Wahrheit zu besprechen.

Ich bin mir dessen bewußt, daß meine Worte auf der Rechten und vielleicht auch im Zentrum des Hauses Widerspruch erregen werden und daß ich vielleicht ich die von mir vertretenen Wählerkreise nicht ganz befriedigen werde, denn die an Empörung grenzende Erbitterung unseres Volkes erwartet von huren gewählten Vertretern eine Tonart die ich, wenn sie auch meinem persönlichen Empfinden entspricht, in diesem Hause vermeiden möchte.

Der Herr Ministerpräsident hat in seiner Programmrede »gleiches gesetzliches Recht für alle Bürger dieses Staates und die Befestigung der staatlichen Autorität als den obersten Grundsätze der Regierung« hingestellt. Er hat ferner in seiner am 28. November d. J. abgegebenen Erklärung, die »Wahrung der Ordnung und des Rechtes als das einzige Ziel der Regierung« bezeichnet. Was aber in diesem Staate seit her geschehen ist, und noch geschieht steht mit den Reden des Herrn Ministerpräsident leider in krassem Widerspruch. Wir haben keinen Grund, an dem aufrichtigen Wunsch des Herrn Ministerpräsidenten zu zweifeln, seine Worte in die Tat verwandelt zu sehen. Woran wo zweifeln, ist die Möglichkeit, irgend eine seiner idealen Prinzipien durchzusetzen und woran wir zu glauben aufgehört haben, ist der Bestand des Rechtes und der Gerechtigkeit in diesem Staate. (Souhlas na levici.) Am 28. Oktober haben sich größere Scharen aktiver und demobilisierter Legionäre in Teplitz und Reichenberg eingefunden. In èechischen Kreisen pflegte man bisher den Besuch eines deutschen Vereines in einer gemischtsprachigen Stadt als eine Provokation zu bezeichnen. Unsere deutschen Städte haben sich längst daran gewöhnt, derartige Besuche lediglich als einen Ausfluß demokratischer Freizügigkeit stillschweigend zu dulden, insolange sich die Betätigung nationalen r Heldentums nur auf Versammlungen und Umzüge beschränkte. (Pøedseda Prášek pøevzal pøedsednictví.) In Teplitz und Reichenberg wurde aber seitens der Legionäre des Verlangen gestellt, daß der 28. Oktober als Staatsfeiertag durch das Heraushängen von nationalen Flaggen auf den Stadtgebäuden gefeiert werde. Meine Herren! Es besteht weder ein Gesetz, noch eine Verordnung, die die Beflaggung von städtischen Gebäuden an diesem Tage anordnen würde. Am allerwenigsten ist es einer militärischen Standesvereinigung, wie der der Legionäre, gestattet, an eine autonome Stadtbehörde eine derartige Forderung zu stellen. In normalen Staatswesen, wo die Gesamtheit der Bevölkerung den Stadt als solchen bejaht, ist es ja allerdings üblich, daß alle Staatsangehörige in gleicher Weise am Staatsfeiertage teilnehmen. Wir leben aber nicht in einem normalen Staat. Der 28. Oktober ist für uns Deutsche nach wie vor ein Trauertag und wenn deutsche Stadtvertretungen diesen Tag durch Heraushängen nationaler Fahnen, die ihrem Empfinden nicht entsprechen, feiern würden, so wäre dies eine Heuchelei und es wären die Deutschen in diesem Staate wirklich die Komödianten, als welche sie der Herr Minister des Äußern bezeichnet hat. In Teplitz und in Reichenberg wurden Bürgermeister deutscher Städte von Legionären nicht nur mit Gewalt bedroht, sondern es wurde tatsächlich in ihren eigenen Amtsräumen auch Gewalt an ihnen geübt. Dem Wunsche der Legionäre nach Beseitigung des Kaiser Josefdenkmals wurde seitens der politischen Behörde anfangs ganz richtig die Einwendung entgegengesetzt, daß der Regierung einerseits jede gesetzliche Grundlage fehlt, einer autonomen Stadtbehörde in ortspolizeilicher Beziehung bindende Aufträge zu erteilen und daß die Regierung andererseits eine autonome Stadtvertretung in der v freien Verfügung über ein ihr Eigentum bildendes Denkmal nicht zu hindern vermag. Wenn seitens der Teplitzer Stadtvertretung, als sie die Durchführung der. Denkmalsverhüllung ablehnte van einem Auftrage der politischen Behörde gewissermaßen als einem höheren Zwang gesprochen wurde so war das juristisch nicht gerechtfertigt. Die seitens der Teplitzer Stadtvertretung bei der Ablehnung der Demkmalsverhüllung eingehaltene Form gab aber der Regierung keineswegs das Recht, von ihrem ursprünglichen, und zwar richtigen Standpunkt unter dem Drucke der Forderung einer militärischen Vereinigung abzugehen, die zu diesem Vorgehen in keiner Weise berechtigt war. Mit dem Befehl, das Denkmal zu verhüllen, und mit dem weiteren Befehl, das Denkmal zu verschalen, hat sich die politische Behörde über die bestehende Rechtsordnung und über das bestehende Recht überhaupt hinweggesetzt. In der vielbesprochenen am. November in Teplitz abgehaltenen Versammlung der deutschen christlichsozialen Volkspartei wurde in keiner Weise die Parole zur Wegnahme der Verschalung ausgegeben. Was an diesem Tag in Teplitz geschah, war der entrüstete Ausbruch der Empörung eines Volkes, das am Ende seiner Geduld angelangt war. Es soll nicht geleugnet werden, daß das gewaltsame Entfernen der behördlich verfügten Verschalung eine Auflehnung gegen eine behördliche Verfügung bedeutet, ohne Rücksicht, ob diese Verfügung auf einwandfreier Rechtsgrundlage beruhte oder nicht Die Regierung wäre daher zweifellos im Rechte gewesen, wenn sie für diese gewaltsame Wegnahme der Verschalung die Schuldigen in entsprechender Weise zur Verantwortung gezogen hätte. Es bedeutete aber, einen begangen Fehler durch ein schweres Unrecht gutmachen zu wollen, es bedeutete den Teufel mit Belzebub auszutreiben, wenn die Behörde für die seitens der aufgeregten Bevölkerung durchgeführte Entschalung einfach die Beseitigung des Denkmals verfügte. Der energische Protest der deutschen Abgeordneten und die unerwartete Hilfe einzelner èechische Parteien veranlaßte die Regierung, binnen 48 Stunden eine Verfügung herauszugeben, derzufolge die Arbeiten bezüglich der Entfernung des Denkmales einzustellen waren. Die Nachricht von dieser Verfügung traf Mittwoch Abend in Teplitz ein. Trotzdem wurde den ganzen Donnerstag vormittag an dem Aufbau des Gerüste weiter gearbeitet. Es hatte daher unwillkürlich den Anschein, als ob man dieses Gerüst derart fertigsteilen wollte, daß eventuell Unbefugte in die Lage versetzt werden, das Denkmal zu entfernen. Was weiter in Teplitz geschah, ist die natürliche Folge der von der Regierung begangenen Fehler, ist das logische Fortschreiten auf der von der Regierung beschrittenen schiefen Ebene der Gesetz Widrigkeit, ist die offene Auflehnung der Truppen gegen die von der Regierung erteilten Befehle, ist ein Faktum, das man in jedem Rechtsstaate als eines der schwersten Verbrechen gegen den Staat, als Meuterei bezeichnet. Der Herr Abgeordnete Dyk hat in, seinem Berichte erwähnt, daß die Truppen nicht an eine Änderung der Beschlüsse der Regierung glauben konnten. Sehr verehrte Damen und Herren! Eine disziplinierte Truppe glaubt nicht, sondern sie gehorcht. Das sind eherne Tatsachen, die inmitten der vom Parteifanatismus gepeitschten Wogen des nationalen Kampfes zweifellos feststehen. Diese Tatsachen bedeuten, daß die Regierung mutwillige Beleidigungen des deutschen Volkes nicht nur nicht hinderte, sondern ihnen in gewissem Sinne sogar Vorschub leistete, durch die Vorgänge, die sich in Teplitz abgespielt habend muß das deutsche Volk den Eindruck gewinnen, daß die Gesetze für das deutsche Volk nicht gelten, daß es so zu sagen vogelfrei ist. Ich möchte die Regierung und das èechische Volk darauf aufmerksam machen, daß man Haß erntet, wo man Haß gesägt hatten. Wir Deutsche werden jedenfalls für das, was in Teplitz vorgegangen ist, eine moralische und materielle Genugtuung verlangen und wir werden dieses Verlangen immer von neuem wiederholen, bis uns in diesem Staate Gerechtigkeit geworden ist. Ich will und kann nicht auf alle Entstellungen und Beschimpfungen eingehen, und denen sich die èechische Presse uns gegenüber erging, aber ich kann nicht unerwähnt lassen, daß einzelne èechische Blätter - ich erwähne vor allem den Èas, - die planmäßige Denkmalshetze in Teplitz und die Prager Vorgänge auf das schärfste verurteilten. Ich glaube nicht fehlzugehen, wenn ich die Haltung des Èas auf die Genfer Eindrücke des Ministers Beneš zurückführe. Jedenfalls ist es eine sehr wertvolle Tatsache, daß die gesamte Auslandspresse die Ereignisse, die sich in der letzten Woche in diesem Staate abgespielt haben, entweder verschweigt oder ohne Kommentar als bloße Tatsachen bringt. Wenn man im Auslande der Ansicht wäre, daß wir Deutschen an diesen Ereignissen Schuld sind so hätte die Auslandspresse die Gelegenheit gewiß nicht versäumt, uns wie alles Deutsche zu verdummen, ihr Schweigen und ihre Unparteilichkeit beweisen, daß sie die Heldentaten des enfant terrible, das sie an der Moldau ins Leben gesetzt haben, eben als indiskutabel betrachtet.

Wenn ich bisher nur die Erreignisse, die sich in Teplitz abgespielt haben, behandelt habe, möchte, ich, ehe ich den Standpunkt, den wir Deutsche angesichts der letzten Eindrücke dem Staate gegenüber einnehmen, weiter entwickle, noch der ephemeren Prager Gassenrevolution einige Worten widmen. Die Revolution wurde als eine Revanche für Eger bezeichnet. Die tiefere Bedeutung der Ereignisse, die sich am 16. und 17. November in Prag abgespielt haben, liegt aber keineswegs nur in dem gegen die Deutschen gerichteter Racheakt. Es handelt sich der um etwas ganz anderes. Es handelt sich um einen Angriff gegen den Staat, um den offenbaren Versuch, die Hilflosigkeit der Regierung zu einer gewaltsamen Umänderung der Machtverhältnisse in diesem Staate zu benützen. Es war die Probemobilisierung einer nationalen Gruppe, die mit den herrschenden Verhältnissen nicht zufrieden ist. Und diese nationale Gruppe waren keine Deutschen. Es war der erste sichtbare Ausbruch der seit der Gründung dieses Staates bestehenden latenten Staatskrise. Der èechische Staat krankt an der Unaufrichtigkeit, der er seine Entstehung verdankt, diese Unaufrichtigkeit schleppt sich als schleichende Krankheit am Staatsorganismus fort und stört dauernd die Entwicklung jenes in Paris und. St. Germain - ich möchte sagen - gewißermassen auf chemischem einige erzeugten homunculus. Es war ein verhängnisvoller Irrtum der alliierten Mächte, zu glauben, daß irgendeine èechische nationale Regierung die in ihren eigenen Denkschriften enthaltenen Versprechungen und die ihr im Friedensvertrag von St. Germain bezüglich der nationalen Minoritäten auferlegten Verpflichtungen aus freien Stücken erfüllen werde. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, welch himmelschreiendes Unrecht das in Paris vorgelegte Memoire 3 enthält, so ist der Beweis durch die Ereignisse der letzten Woche sonnenklar erbracht.

Die Staatskrisis, die mit der Teplitzer Meuterei begann, die in Prag klarere Formen annahm und die jeden Augenblick von Neuem hervorbrechen kann, zwingt auch uns Deutsche zu offener Stellungnahme. Wir haben diesen Staat nie gewollt und werden nach wie vor eine Revision der Grundlagen anstreben, auf denen er errichtet wurde, wir streben aber diese Revision auf dem Wege des Rechtes und nicht auf dem Wege der Gewalt an, weil wir davon überzeugt sind, daß die weitere Entwicklung Europas unserer Auffassung recht geben wird. Nur unter ausdrücklicher Wahrung dieses unseres Standpunktes haben wir uns beim Eintritt in das Parlament bereit erklärt, an den gesetzgebenden Arbeiten mitzuwirken. Wir haben dies in der Voraussetzung getan, daß wir im èechoslovakischen Staat und bei dem èechischen Volke, das sich in so leidenschaftlicher Weise darum beworben hat, uns zu seinen Mitbürgern zu machen. Sinn für Recht und Ordnung und eine gerechte Würdigung unserer Interessen finden werden. Verehrte Damen und Herren! Zwei Jahre bitterster Enttäuschung liegen hinter ums, von all den hochtrabenden Versprechungen, die in Paris gemacht wurden, ist auch nicht eine erfüllt. Wir haben uns vor zwei Jahren dagegen gewehrt, daß man uns als Kolonisten bezeichnet, heute will man uns zu Sklaven machen, man will dem deutschen Volke nicht nur alles nehmen, was es besitzt, sondern man gönnt ihm auch das nicht, was es im Laufe von neun Jahrhunderten diesem Lande geschenkt hat. Man will, wie es scheint, jede Erinnerung an deutsche Kulturarbeit auslöschen. Für das himmelschreiende Unrecht, das an uns geübt wird, können wir heute sogar die toten Steine als Zeugen anrufen. Ein Kaiserdenkmal nach dem an deren wird in Staub gelegt. Schämt sich das èechische Volk seiner Geschichte? Schämet es sich der Zeiten, in die sein kultureller und politischer Aufstieg fällt Schämt es sich dessen, daß seine eigene Kultur an dien Beispielen deutscher Lehrmeister herangewachsen ist? Wenn das der Fall ist, dann müßte es konsequent sein und muß es nicht nur bei der Mariensäule und den Kaiserdenkmälern bewenden lassen dann müßte das èechische Volk bei der Georgskirche anfanden, die der deutsche Meister Wernherr gebaut hat und dann müßte es von, dem Urbau des Veitsdomes, den der Schwabe Peter Parler entworfen, bis zu den auf den Genius Fischer von Erlachs zurückzuführenden Kirchen und Palästen dieser Stadt alles niederreißen. Vielleicht werden sich die Herrendarm hier wohler fühlen, wenn das Repräsentationshaus und einige ähnliche Stilblüten allein aus den Trümmern der deutschen Kunst herausragen werden. Die provisorische Nationalversammlung hat ein Gesetz beschlossen, wonach die Erinnerungen an die Habsburger zu beseitigen sind. In diesem Gesetz - an dem ich nicht kritisieren will, ob wir es anerkennen oder nicht - ist aber ausdrücklich gesagt, daß Denkmäler von dessen Bestimmungen ausgenommen sind. Ich nehme auch an, daß Privatbesitz nicht unter das Gesetz fällt und trotzdem, meine Herren, ist vor einigen Tagen der Abgeordnete Kaiser in seiner Privatwohnung in Budweis (Hört!) von einigen Legionären besucht worden und diese Legionäre haben ihm einige Kaiserbüsten und eine Hindenburgbüste weggenommen. Meine Herren, wie man das in diesem Staate nennt, weiß ich nicht. Aber in einem Rechtsstaat nennt man das Hausfriedensbruch und Diebstahl! (Souhlas na levici.) In diesem sinnlosen Wüten gegen das künstlerische Empfinden und die Pietät der Erinnerung Liegt das Gefühl einer gewissen Unsicherheit, ich möchte fast sagen, einer gewissen Schwäche, die für das èechische Volk wenig ehrenvoll ist. Denn, wie die Geschichte lehrt, haben bisher nur die allerprimitivsten Nationen in ihrer naiven Urkraft derartige, ganz nutzlose und die heiligsten Gefühle verletzende Taten ausgeführt.

Der èechische Bildersturm ist aber nur die Teilerscheinung eines Übels, das viel tiefer liegt. Der junge èechoslovakische Staat wurde gleich von Anbeginn als Gemeingut des èechischen Volkes behandelt aber keineswegs in jenem guten Sinne, daß jeder sich der Verpflichtungen gegenüber dem Staate, als dem Vertreter der Volksinteressen, bewußt war, daß jeder diese Interessen förderte und seine Pflichten gegenüber dem Staate erfüllte, sondern leider nur in der Weise, daß sich jeder an der Gründung des Staates ein besonderes Verdienst beimaß, daß jeder in die Staatsverwaltung hineinzureden sich berechtigt fühlte und daß vor allem ein jeder aus diesem Staate und von diesem Staate so viel als nur möglich für seine eigenen Interessen herauszuschinden trachtete. Nepotismus und Korruption treiben ihr Umwesen auf Kosten der staatlichen Autorität, bis schließlich diese staatliche Autorität vor dem Diktat jener Soldaten, die man seinerzeit zur Verletzung des Gehorsams direkt angeleitet hatte und die sich jetzt als Retter des Staates aufspielen, kapitulieren maßte. Der Staat steckt in einer tiefgehenden krisenhaften Verwirrung der Rechtsbegriffe und der verwaltungsrechtlichen Kompetenz, einer Verwirrung, deren die Regierung für den Augenblick nicht Herr zu werden vermag. Das èechische Volk hat sich des größten Augenblickes seiner Geschichte, da es nach mehrhundertjähriger zielbewußter Arbeit und Streben endlich die volle staatliche Selbständigkeit erlangt hat, nicht Bewachsen gezeigt. Es hat sich berühmt, während des Krieges die Entwickelung der Ereignisse richtig beurteilt zu haben, aber den neuen, durch den Weltkrieg entfesselten Geist der sozialen und politischen Evolution, den Geist der freien Selbstbestimmung, der von nun an für alle entwickelten Völker ein unanfechtbares Naturrecht geworden ist, den Geist der demokratischen Gerechtigkeit, der sich im Osten in Extremen austobt und im Westen allmählig durchzusetzen beginnt, jenen Geist, der auf die Versöhnung der Nationen und gesellschaftlichen Klassen hinwirkt, hat es nicht verstanden, indem es versucht, im Herzen Europas jenen rücksichtslosen nationalen Imperialismus durchzusetzen, den unsere Gegner immer als Ursache des Weltkrieges bezeichnen. Dem èechischen Volke, das zweifellos unter allen slawischen Stämmen das höchstentwickelte ist, war im 28. Oktober 1918 unter dem Schutze der siegreichen Westmächte eine nie wiederkehrende Gelegenheit Begeben, den ausgehungerten und zu Tode Gehetzten Nationen, die es innerhalb seiner Grenzen zu vereinen vermochte. Gegenüber den Beweis zu erbringen, daß es fähig ist, einen Staat zu bilden und einen Staat zu erhalten. Das èechische Volk, oder besser Gesagt, dessen Führer haben diesen Beweis nicht erbracht. Sie haben versagt und sohin der Geschichte einen neuen Beleg dafür gegeben, daß die Völker der slavischen Rasse zwar ein ungemein wertvolles staatserhaltendes Eiercent bilden, wenn sie von einer starken Hand Geleitet werden, daß sie aber, sich selbst zu beherrschen, unfähig sind. (Souhlas na levici. Odpor na èeské stranì.) Die Zerfahrenheit innerhalb der èechischen Parteien, der bis in die tiefsten Volksschichten reichende Parteikampf haben in diesem Staate Verwaltung und Wirtschaft vergiftet und da auf diesem Weg die Vorherrschaft des an Zahl stärkeren aber jüngeren Volkes gegenüber der kulturell älteren Minorität nicht durchzusetzen war, maßte zur Gewalt als der ultima ratio gegriffen werden. Wir Deutsche haben, sobald der Machtspruch des Friedensvertrages über unser Schicksal entschieden hatte, unser Recht in diesem Staate gesucht und wir suchen es auch heute noch innerhalb dieses Staates. Wir haben erst bei Beginn der neuen Session die allerdings an bestimmte Bedingungen geknüpfte Erklärung abgegeben, daß wir zur aktiven Mitwirkung bereu sind. Wir haben am 16. und 17. November d. J. als der Hradschin bedenklich wackelte, in unseren Gauen Ruhe und Besonnenheit gepredigt. Wir haben die staatliche Autorität in diesen Tagen Beschützt, trotzdem gerade jene Autorität unser Recht verletzt hatte, wir haben es deshalb getan, weil wir den Wert, den die staatliche Ordnung, abstrakt Benommen, für die menschliche Gesellschaft besitzt wohl zu würdigen wissen. Wenn wir am 17. November d. J. den Staat hätten ad absurdum führen wollen, so wäre es uns ein Leichtes Gewesen. Wir haben den Bürgerkrieg verhindert. Uns Deutschen wird vorgeworfen daß wir den Staat sabotieren und daß wir im Aaslande Irredenta treiben. Meine Herren, Geheimpolitik ist nicht der Deutschen Art. Wir haben hier von Anbeginn an über das herrschende Regierungssystem, über die Entstehungsgeschichte und über die innere Gestaltung des Staates unsere Meinung offen zum Ausdrucke Gebracht und wir haben diese Meinung, wo immer wir hiezu Gelegenheit hatten, auch dem Auslande Gegenüber vertreten. Wir glauben als die Bürger eines Staatswesens das auf freier demokratischer Grundlage zu stehen behauptet, hiezu berechtigt zu sein und so mache ich auch heute von diesem Rechte Gebrauch, indem ich mich von dieser Stelle aus an die im Völkerbunde vereinigten. Mächte wende und sie frage, ob sie es weiterhin dulden wollen, daß der èechische Staat die ihm durch die Art. 1-13 des Minoritätenschutzvertrages aufgetragenen Verpflichtungen verletzt, oder ab sie auf Grund der Garantie, die sie im Sinne des Art. 14 dieses Vertrages für den Schutz der nationalen Minderheiten übernommen haben, »die ihnen« - ich zitiere den Vertrag wörtlich »unter den obwaltenden Umständen passend und wirksam erscheinen den Weisungen« erlassen wollen.

Wir Deutsche in den Sudetenländern sind keine Verschwörer. Wir sind in vielem leider noch viel zu sehr die Phäaken, als die uns Goethe einst bezeichnete. Wir haben fremden Elementen gegenüber eine nur allzugroße Anpassungsfähigkeit. Die Deutschen in Endland, Amerika, in Frankreich nehmen schnell die Interessen und Gewohnheiten des fremden Volkes, des fremden Landes und einer gleichwertigen oder einer höheren Kultur an. Die hingebungsvolle Liebe zu unserem Volke hindert uns nicht, andere Nationen zu achten, und diese Achtung zollen wir auch dem èechischen Volke. Aber Recht und Freiheit auf unserer eigenen, von unseren Vätern ererbten Scholle lassen wir uns nicht kürzen. (Souhlas na levici.) Wenn das èechische Volk klaubt, daß es uns durch die fortgesetzten Angriffe zermürben und schließlich von der èechoslovakischen Landkarte wegwischen wird, dann irrt es gewaltig. Ein jeder Hieb nach unserem kulturellen und materiellen Besitzstand, ein jeder Schlagen uns, schweißt das deutsche Volk nur zu einer härteren Masse zusammen. Falls uns noch einige Tabe, wie die von Teplitz, beschieden sein sollten, dann wird es ohne Rücksicht auf den Unterschied der Weltanschauungen unter den 3½ Millionen Deutschen in diesem Staate, so Gott will, keinen mehr heben, der nicht sein deutsches Volkstum vor alles andere stellten wird.

Das tief darniedergeschmetterte deutsche Volk jenseits der Grenzen dieses Landes arbeitet heute mit fieberhafter Anstrengung an der Wiederaufrichtung seiner Volkswirtschaft, trotzdem sie die Besiegen sind und wir in einem Siegerstaate leben, muß ich offen sagen, wir beneiden sie. Denn auch wir möchten arbeiten, aber uns ist jede produktive Arbeit verwehrt. Wir sind gezwungen, eine Maschine zu bedienen, deren Räder Leer laufen. Wir müssen unsere besten Kräfte an eine unfruchtbare Abwehr vergeuden, während unsere einigen Interessen verkümmern und unsere Wirtschaft zu Grunde Seht. Wir sind des Kleinkrieges müde. Noch können die Machthaber dieses Staates einlenken, aber es ist vielleicht die letzte Gelegenheit, die ihnen geboten ist. Auch wir wünschen keine Prätorianerherrschaft, auch wir stehen auf dem Boden, des bürgerlichen Gesetzes und lehnen die kürzlich in diesem Staate verkündeten Rechtssätze des will den Westens ab. Aber man soll sich in weiten Kreisen des èechischen Volkes dessen wohl bewußt werden, daß nur heute zur Notwehr gegen Staat bedrängt werden, der nur dann bestehen kann, wenn er die in ihrer Gesamtheit über 50% ausmachende Minorität an dem Bestand dieses Staates zu interessieren vermal. Das deutsche Volk befindet sich in diesem Staate im Stande der Notwehr. Im Stande der Notwehr aber entscheidet der Selbsterhaltungstrieb, die Leidenschaften werden entfesselt und wenn die Dinge so weil ergehen, wie bis jetzt, dann wäre es nicht aufzuhalten, daß auch das deutsche Volk den ihm zugeschleuderten Fehdehandschuh ergreift und auch das deutsche Volk einmal saht: »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß dies einer Katastrophe gleich käme, die alle Greuel des Weltkrieges weit übertreffen würde. Die große Stunde, die die Weltgeschichte dem èechischen Volke bot, neigt sich dem Ende entgegen. (Výkøiky.) Ich rede im bittersten Ernst. Die große Stunde, die die Weltgeschichte dem èechischen Volke gegeben, neigt sich dem Ende. Wenn diese Stunde nicht benützt wird, ist es nicht unsere Schuld.

Als ich das letzte Mal Gelegenheit hatte, in diesem hohen Hause zu sprechen, habe ich meine Worte beschlossen, indem ich sagte, daß der èechische Staat entweder mit uns Deutschen und an uns genesen wird, oder daß seine Tabe gezählt sind. Verehrte Damen und Herren, meine Ansicht hat sich seither nicht verändert. (Potlesk nìm. senátorù.)