Aber man hat sich noch schönere Dinge erlaubt. Wir durften über Gewalttaten nicht reden, nicht schreiben, alles in den Blättern ist konfisziert worden. Und was hat man alles konfisziert? Ich will nur ein Beispiel anführen, ein harmloses satirisches Gedicht, das in unserem Parteiblatte, in der >Volkspresse< in Troppau erscheinen sollte, u. zw. zu jener Zeit, wo Pan Karel Kramáø, ungekrönter König von Böhmen, noch Ministerpräsident war, und welches die Kramáøpolitik in folgender Weise geisselte:

Die Kramáø-Republik.

Ein Staat, wo die Gewalt regieret,

Wo man nicht duldet die Kritik,

Wo Österreichs alter Geist sich rühret:

Das ist die Kramáø-Republik.

Wo nur ernannte Herren sitzen

Im Rat und treiben Politik;

Wo nur die Bajonette blitzen:

Das ist die Kramáø-Republik.

Wo man die Presse drückt und knebelt,

Wo man zum Moloch kehrt zurück,

Wo man die Menschen niedersäbelt:

Das ist die Kramáø-Republik.

Wo man dem deutschen Volke wehret

Sein altes Recht, sein eig'nes Glück,

Wo man nur von Bedrückung höret:

Das ist die Kramáø-Republik.

(Senátor dr. Herben: To bylo dobøe, ¾e to bylo zkonfiskováno. To jest stra¹ná hloupost. Buïte rád, ¾e to bylo zkonfiskováno!) Nein! Selbst das dürfte damals nicht geschrieben werden, selbst solche harmlose Sachen wurden konfisziert. Nein, meine Herren, das war eine Kritik, die notwendig war. Sie sagen ja, Sie seien die freieste Republik auf der Welt, eine Schweizer Republik, aber das Reden war verboten und das Schreiben unterbunden dadurch, dass man die Zeitungen konfisziert hat. Wir sehen also, dass wir mit diesem System nicht weiter können. Wir haben eine ganze Anzahl Anträge gestellt, so, es solle die Volksmiliz eingeführt werden, was eine Entlastung für den Staat wäre, und diese wichtige Forderung wollen die kapitalistischen Parteien dieses Staates nicht durchführen, auch nicht die deutschen. (Senátor dr. Herben: Milice jest dra¾¹í ne¾ vojsko!) Ich verstehe es nicht, ich kann nicht darauf antworten. Die Miliz brauchte uns das viele Geld nicht zu kosten. Aber die Miliz wird erst dann eingeführt werden, wenn die Arbeiterklassen dieses Staates aller Völker einig sein werden, wenn sie geschlossen dastehen und in Einigkeit das fordern werden, was für die Zukunft des Staates notwendig ist. Wir haben, wie ich schon gesagt habe, Arbeit zu leisten, aber die Arbeit darf nicht vertan werden, darf nicht wieder zerstört werden durch neue Weltkatastrophen.

Man hat in der Geschichte die Wahrnehmung gemacht: die Gewalt hat niemals ein Volk emporgebracht, die Gewalt ist immer zerstörend gewesen und auch diese èechoslowakische Gewalt wird den Staat nicht aufbauen, sondern wird alles verzehren und wird vieles zerstören. Schauen wir uns das alte Österreich an! Es ist nicht richtig, dass die Träger der èechischen bürgerlichen Parteien immer erklären, dass die Minister allein verantwortlich waren und die früheren Monarchen, die Kaiser und Könige. Hätten im alten Österreich die bürgerlichen Parteien, und da sind die èechischen bürgerlichen Parteien mit eingeschlossen, soviele Jahrzehnte hindurch nicht dem Moloch alles bewilligt, so hätte es im Jahre 1914 zu diesem furchtbaren Blutvergiessen nicht kommen können. Daran waren nicht nur die gekrönten Verbrecher von ganz Europa, an diesem furchtbaren Unglück, schuld, auch die ungekrönten Verbrecher sind schuld, die Jahrzehnte lang das bewilligt haben, was der Kapitalismus gefordert hat.

Wir verlangen also, dass das Volk sich entwickeln kann, dass der Staat dem Volke das gibt, was das Volk braucht. In diesem Sinne wollen wir mitarbeiten, sind wir zur Mitarbeit bereit. Aber wenn Sie uns zumuten, solche Lasten zu bewilligen, solche Auslagen zu machen, dann müssen wir Nein sagen, dann müssen wir erklären: Das können wir nicht mitmachen.

In den deutschen Bezirken herrscht furchtbares Elend, herrscht furchtbare Not und wir wünschen nun, dass es in diesem Staate besser werden soll, wir wünschen, dass man die Gelder, die man auf der einen Seite für unnütze Zwecke hinauswirft, fruchtbringend anlegt und in dem Sinne arbeitet, dass wir aufbauen können, was wir aufbauen können, und das, was wir aufbauen können, soll auch dem ganzen arbeitenden Volke zugute kommen. Daran soll uns niemand in diesem Staate hindern. Wir haben aber das Empfinden, dass wir gehindert werden durch diese Macht, die da vorhanden ist. Die Soldaten, die in der Uniform stecken, sind nicht schuld an dem System, die kann man nicht allein verantwortlich machen, aber schuld an dem System, an dem imperialistischen System sind die bürgerlichen Parteien in diesem Staate. Und da wollen wir eine Umkehr, und die Umkehr muss kommen und muss kommen, wenn sich das arbeitende Volk seiner Kraft und Macht bewusst wird. Heute zerstört die Arbeiterklasse untereinander die Kraft, die einigend wirken soll, und deshalb ist es nicht möglich, dass wir in diesem Staate in der nächsten Zeit vorwärts kommen können. Wir bitten, in dem Sinne für die nächste Zeit zu arbeiten, dass man die Ausgaben jetzt mindert, dass man nicht bewilligt, was für den Militarismus notwendig ist, sondern dass man das beschafft, was wir brauchen für die Invaliden, die Kriegerwitwen, für die Arbeitslosen, für die Leute, die überhaupt nichts besitzen in dem Staate, und das sind die Greise und Greisinnen. Es kommt kein Minister und fragt: wie schaut unsere Armenversorgung aus? Diese Greisinnen, die so nützliche Arbeit geleistet haben, und die Greise bekommen keine Altersversicherung, keine Unterstützung. Da ist es notwendig, für diesen Zweck zu verwenden, was man dem Moloch in den Rachen wirft, und wenn Sie das machen, wenn Sie in diesem Sinne arbeiten, sind wir zu jeder Arbeit in diesem Staate bereit. (Potlesk na levici.)

6. Øeè sen. dr. Wiechowskiho (viz str. 502 protokolu):

Meine Herren! Im Budgetausschuss hat sich zur grossen Befriedigung aller gemässigten Parteien in der letzten Zeit ein etwas versöhnlicher Geist geltend gemacht. Leider muss ich feststellen, dass dieser versöhnliche Geist durch die Reden der Herren Kollegen Dr. Stránský und Dr. Klouda im Plenum durchbrochen worden ist. Von der einen Seite ist uns entgegengehalten worden, dass wir uns ganz mit Unrecht beklagen, weil uns namentlich auf dem Gebiete des Schulwesens ja gar nichts geschehen sei - so erklärte Herr Dr. Stránský. Auf der anderen Seite wird uns, sozusagen dem ganzen deutschen Volke dieses Staates, eine Hochverratsaffäre in die Schuhe geschoben. Ich muss meine Verwunderung darüber aussprechen, dass Herr Dr. Klouda seine Ausführungen auch dahin ergänzt und besonders betont hat, dass diese Hochverratsaffäre sozusagen mit Wissen der Regierung sich abgespielt hat und vielleicht noch abspielt, und dass wir gesehen haben, dass der ehemalige Minister und jetzige Vizepräsident Kollege Klofáè in grosser Erregung durch einen Zwischenruf die Ausführungen des Redners beteuert hat. Ich muss mich unter diesen Umständen im höchsten Grade darüber wundern, dass Herr Kollege Dr. Klouda seine Ausführungen damit geschlossen hat, er stimme für das Budget. Denn logisch wäre es meiner Ansicht nach gewesen, nachdem die Regierung sich so grober Unvorsichtigkeiten - um es mindestens so zu nennen - schuldig gemacht hat, wenn Herr Dr. Klouda und seine Partei gegen das Budget stimmen würden.

Aber abgesehen von dieser Sache geht aus der Rede des Herrn Kollegen Klouda die gleiche Feindseligkeit hervor, über die wir uns beklagen müssen, aus jedem

seiner Worte, insbesondere aus der Sucht, wie er die vielen Namen herangezogen hat, um Leute, die vielleicht ganz unschuldig sind, hier zu denunzieren, wie er förmlich eine Verhetzung getrieben und so die Öffentlichkeit gegen uns als die Staatsfeinde aufgerufen hat. Sehen Sie, meine Herren, aus dieser feindseligen Stimmung heraus haben Sie auch das Sprachengesetz geschaffen und führen Sie dieses Sprachengesetz durch. Aber sehen Sie denn nicht ein, dass Sie gerade durch dieses Sprachengesetz und durch diese Unterdrückung des deutschen Elementes dasjenige verhindern, was Sie eigentlich anstreben wollen und was Sie auch von uns verlangen, nämlich die Vereinheitlichung des Staates? Wenn Sie, wie z. B. hier in Prag, jeden Nichtèechen, jeden Deutschen als einen Fremdling betrachten, der nicht deutsch sprechen darf auf der Gasse, in der elektrischen Strassenbahn, der nicht deutsch telephonieren darf, u. s. w., so treiben Sie ja doch die Deutschen in ihre Siedlungsgebiete hinein, Sie verweisen sie sozusagen auf diesen engen Bezirk und schliessen sie von den anderen Teilen des Staates aus. Und das halte ich für das Verfehlte, das ist gerade das Verkehrte von dem, was der ehemalige Minister, Herr Kollege Horáèek verlangt hat, dass wir uns alle schliesslich als Glieder desselben Staates fühlen sollen. Wenn Sie uns aber auf ein Gebiet des Staates verweisen und zurückdrängen, wird das nicht eintreten. Wie oft hört man: Wenn Sie deutsch reden wollen, so gehen Sie nach Reichenberg! Das ist eine ganz geläufige Phrase, die man hört, wenn man hier auf der elektrischen Strassenbahn fährt (Výkøiky) und gerade gestern oder vorgestern hat in einem Zwischenrufe Se. Magnifizenz Herr Prof. Mare¹ gesagt: Gehen Sie nur nach Wien, warum gehen Sie nicht hin, dort haben Sie's besser, gehen Sie nur fort, wenn Sie wollen! Sehen Sie, meine Herren, das ist ein logischer Widerspruch. Auf der einen Seite verlangen Sie, dass wir hier bleiben und auf den anderen Seite machen Sie es uns direkt unmöglich. Und das, was wir hier vom Herrn Dr. Klouda gehört haben - was ich durchaus nicht ernst nehmen will und was, wie ich glaube, die gesamte Öffentlichkeit und die Regierung zum Wohle des Staates nicht ernst nehmen - gerade das ist ein Beweis für die Richtigkeit dieser meiner Auffassung.

Von diesem Gesichtspunkte, dass es uns hier unmöglich gemacht wird, als Deutsche zu existieren, müssen wir auch die Verlegungsfrage der deutschen Hochschulen aus Prag in das deutsche Siedlungsgebiet betrachten. Sie brauchen durchaus nicht zu befürchten, und es ist auch nicht so gemeint, dass hiemit ein Zentrum für eine Irredenta geschaffen werden soll. Wenn diese Irredenta sich bildet, so braucht sie dazu keine Universität. Herr Dr. Klouda hat uns ja schon gezeigt, dass eine Irredenta auch ohne Hochschule in einzelnen Gebieten - nach seiner Ansicht - mehr oder weniger schon fertig ist. Davon ist aber gar keine Rede. Namentlich die deutschen Sozialdemokraten stellen sich zu der Frage der Verlegung der Universität bloss vom Standpunkte der Autonomie und von gar keinem anderen Standpunkte aus. Wir unterstützen diese Forderung deshalb, weil die Hochschulen selbst es wollen. Wir nehmen hier gar keinen prinzipiellen partei-politischen Standpunkt ein, weil wir wissen, dass wir im gegenwärtigen Zustand namentlich nicht an unseren Hochschulen das durchführen können, was nach unserem Programm über die Hochschulbildung des Volkes überhaupt zu geschehen hat. Wir betrachten die Sache nur als eine Frage der Autonomie.

Hiezu kommt aber noch ein anderer Grund, der hier wichtig und massgebend ist. Wir haben für die Ausgestaltung unserer Hochschulen Forderungen anzumelden und wir fühlen uns auch in dieser Beziehung bedrückt. Ich werde Ihnen gleich mit ganz konkreten Dingen kommen, und damit nicht gleichsam die eine Forderung durch die andere konterkarriert wird, nämlich die Frage der Verlegung und Ausgestaltung der Hochschulen, müssen wir uns auch auf diesen Standpunkt stellen und haben deshalb eine Resolution eingebracht, dass die Regierung einen Entwurf vorlegen soll, welcher die rasche Verlegung der beiden deutschen Hochschulen und den deutschen Anteil der Kunstakademie in die deutschen Siedlungsgebiete in die Wege leitet. Dieser Resolutionsantrag ist im Budgetausschusse abgelehnt worden. Dagegen ist der Antrag des Kollegen Dr. Fáèek auf Durchführung des Universitätsgesetzes der Regierung zugewiesen, beziehungsweise vorgeschlagen worden, ihn der Regierung zuzuweisen, während der Antrag Srdínko im Abgeordnetenhause auf Durchführung des Universitätsgesetzes direkt angenommen wurde. Was besagt das? Machen Sie das nur klar. Die Durchführung des Universitätsgesetzes besagt: den Deutschen wird das Karolinum weggenommen, wir liegen auf der Strasse, Sie werfen uns aus dem Karolinum hinaus. Wo sollen wir hingehen? Sie lassen uns andererseits nicht von Prag weggehen, wir sollen also als Bettler auf der Strasse stehen. (Sen. dr. Mare¹: V¾dy» tam máte zaruèeno u¾ívání Karolina, dokud nebude vystavìno nìco jiného!) Bitte, aber im Budget vermissen wir einen Posten für den Aufbau eines deutschen Kollegienhauses bei der Svatopluk Èech-Brücke für den Fall, dass Sie uns hinauswerfen. Ich hoffe allerdings, dass die Sache nicht so heiss gegessen wird, wie sie gekocht worden ist. Ich mache daraus auch keine Affaire, ich will nur unseren Standpunkt hier klar machen, da es von Ihrem Staat ein grosser logischer Fehler ist, wenn Sie auf der einen Seite das tun, und auf der anderen Seite uns nicht hinauslassen wollen.

Das Hochschulstudium ist für die Deutschen hier in diesem Staate in seiner Gänze nicht möglich. Es fehlt uns eine Handelshochschule, ein tierärztliches Studium und eine vollwertige montanistische Abteilung. Über alle diese Dinge verfügen Sie und es ist im Staatsvoranschlag ein grosser Betrag für alle diese Unterrichtsanstalten, die bei Ihnen durch vollwertige Hochschulen vertreten sind, eingesetzt. Für uns ist diese höhere Ausbildung nicht möglich. Wir haben auch in dieser Beziehung eine Reihe von Resolutionsanträgen gestellt, von denen namentlich hervozuheben ist derjenige bezüglich der Ausgestaltung des montanistischen Unterrichtes an der deutschen technischen Hochschule, damit ein dritter und vierter Jahrgang eröffnet werden kann. Sie schütteln den Kopf. Warum denn? Einer der Vorredner hat gesagt, was die Deutschen an Unterricht brauchen, werden sie bekommen. Sie wollen uns das verweigern. Das ist kein Betrag, der überhaupt in Betracht käme. Hier kann man nicht mit dem Argument kommen, es kostet zu viel Geld, wir können das nicht bezahlen; denn das ist eine rein politische Sache. Wir wollen uns das selbst bezahlen, ganz gern, wenn Sie uns die Schulautonomie geben werden. Ebenso ist es mit der Handelshochschule und mit der tierärztlichen Hochschule. Sie setzen im Budget einen Posten von 200.000 K ein, ausdrücklich für Stipendien an Studierende der Tierarzneikunde, bestimmt für deutsche Hochschüler aus der Èechoslowakei, welche nach Wien gehen sollen, um dort zu studieren. Ich hoffe, Sie werden einsehen, dass das Geld besser angewendet würde, wenn man es dazu verwendete, um die hiesigen Unterrichtsanstalten auszugestalten, sodass wir auch hier, wenn auch nicht eine eigene Hochschule, so doch eine Fakultät oder ein Hochschulstudium für Tierarzneikunde im Rahmen der medizinischen Fakultät haben könnten.

Aber das ist nicht alles, was ich anzubringen habe, sondern im Wesentlichen - das liegt mir besonders am Herzen - möchte ich über die Studentenfürsorge sprechen. Heutzutage ist weit mehr als je auch das Hochschulstudium geradezu ein Monopol, ein Privileg der Reichen geworden. Wer kann heute einem Sohn oder eine Tochter einen Monatswechsel von mindestens 600 bis 700 K geben? Unter diesem Betrag nimmt niemand den jungen Mann in Kost und Pflege. Wer hat heute diese Einnahmen, um diese Mittel aufzubringen, die heute die Lehrbücher kosten? Bücher, welche vor dem Kriege oder noch in der letzten Zeit, vor 2 bis 3 Jahren, um 30 bis 40 K zu haben waren, kosten heute mindestens das Fünffache. Eine kleine Zahl von Lehrbüchern kostet fast 1000 Kronen. Nicht die Tüchtigen, die Begabtesten, nur die Reichen und die Söhne Wohlhabender können heute das Hochschulstudium betreiben. Das muss anders werden, gerade in einem demokratischen Staat. Hier können Sie vorangehen mit weitreichenden Reformen, zeigen, dass es Ihnen wirklich um die Hebung des Volkstums zu tun ist. Hier muss eingegriffen werden. Ich will nicht leugnen, dass für Unterstützung der Studentenfürsorge Posten eingelegt sind, ob sie ausreichen, weiss ich nicht. Sie sind zum Teile gross, zum Teile erscheinen sie klein. Wenn für die deutsche Mensa nur ein Subvention von 60.000 K ausgesetzt ist, so erscheint es als viel zu wenig. Dieser Betrag sollte jedenfals aus Virements oder Ersparungen vergrössert werden. Auch andere verschiedene gemeinwirtschaftliche und soziale Einrichtungen, die sich die Studentenschaft selbst geschaffen hat, sollen und müssen tatkräftig unterstützt werden. Insbesondere möchte ich darum bitten, dass der Bau von Baracken, welche wie die èechischen Studenten auch die deutschen Studenten selber bauen wollen, unterstützt werde durch Beistellung von Baugrund seitens der beteiligten Ministerien, wie auch z. B. seitens des Landesverteidigungsministeriums durch die Ermöglichung, die Einrichtung aus den Überschüssen der Depôts zu nehmen, von wo ihnen Einrichtungsgegenstände, wie Kochgeschirre u. s. w. beigestellt werden könnten.

Ich habe vorhin von der Autonomie der Hochschulen gesprochen, deren Bedachtnahme uns veranlasst hat, obzwar wir sonst als Partei und als sozialistisch denkende Menschen mit den Verlegungsfragen überhaupt nichts zu tun haben, für diese Forderung der deutschen Bevölkerung einzutreten. Die vollkommene Schulautonomie ist vollkommen begründet in den sozialistischen Grundsätzen. Wir haben einen derartigen Resolutionsantrag eingebracht und ein Teil dieses Resolutionsantrages ist auch in der Tat im Budgetausschuss zwar nicht angenommen, aber der Regierung zugewiesen worden. Ich konstatiere das, ich will nicht sagen, dass es nichts ist, es ist vielleicht ein Anfang. Ich hoffe, dass das Haus in seinen Beschlüssen sich nicht entfernen wird von dem Beschlusse des Budgetausschusses. Bedenken Sie, es ist doch ein Unding, wenn man ruhig hierüber nachdenkt, dass eine Schule von einem Angehörigen einer anderen Nation verwaltet werden soll. Das ist doch unmöglich; ich will gar nicht davon reden, dass Kollege Sokol deutsche Schulen verwaltet, denn das ist haarsträubend. Aber selbst wenn man der objektivste Mensch ist, wird immer der Stachel des Misstrauens in dem Verwalteten zurückbleiben. Ich gehe soweit, dass ich Ihnen bona fide zugebe, wenn Sie sagen: Nach unserer Überzeugung sind keine Schulen gesperrt worden, die nicht vollkommen überflüssig gewesen sind. Aber Sie müssen bona fide auch uns zugeben, dass wir uns auf das Schwerste bedrückt fühlen müssen, verfolgt und unterdrückt in diesen Fragen, weil es hier keine Verständigung geben kann zwischen zwei Parteien, welche für sich die Ehrlichkeit in Anspruch nehmen. Deswegen sind wir auch dafür, dass unsere Schulen der Frage des nationalen Zwistes entrückt werden. Und wodurch kann das geschehen? Dadurch, dass wir unsere Schulen selbst verwalten. Erinnern Sie sich daran, wie zur Zeit des alten Österreich die Wahlen z. B. in Böhmen stets den nationalen Hader und den Kampf bis aufs Blut hervorgerufen haben? Jetzt, nachdem wir wirklich ein so anerkennenswerte Wahlrecht haben, nicht eine Spur von nationalem Hader. Es gibt nur Streitigkeiten zwischen den Parteien, aber zwischen den Nationen nicht. Das sollte zu denken geben. Wenn wir diesen Zustand auf anderes Gebiet übertragen, könnten wir die Schule den einzelnen Nationen glatt überlassen.

Meine Herren! Glauben Sie nicht, halten Sie mir nicht entgegen, dass ich als Sozialdemokrat von der nationalen Frage nicht sprechen soll. Es gibt sicher unter den Sozialdemokraten sehr radikale Gruppen, welche sagen, die Nationalität geht uns nichts an. Aber das stimmt nicht. Das sind hypertrophische Elemente auf dem Gebiete des Radikalismus. Bedenken Sie selbst: wenn wir uns das Ideal der sozialistischen Gesellschaft vorstellen, dann wird es keine Klassen geben, aber es wird Nationen geben. Die Nationen kann die sozialistische Gesellschaftsordnung nicht abschaffen. Die Klassen werden verschwinden, aber mit den Nationen wird man sich auf alle Fälle auseinandersetzen müssen, und wenn wir uns strenge auf diese unsere Grundsätze stellen, so müssen wir sagen: wir haben nicht nur die Klassenherrschaft zu verurteilen, sondern mit derselben Schärfe müssen wir natürlich die Vorherrschaft einer Nation verurteilen. Wir kommen dazu in einem Nationalitätenstaat, in einem Staatswesen, welches von vielen Nationen bewohnt ist, einfach die Forderung aufzustellen: Trennung von Nation und Staat. Nur so kann es zu einem gedeihlichen Ende kommen. Deswegen fordere ich Sie auf, wenden Sie sich ab von der Politik des Chauvinismus, von der Politik der Dr. Kramáø, Sokol und Mare¹ und nähern Sie sich lieber der sozialistischen Politik. Denn meine Überzeugung ist, wenn der Staat Bestand haben will, kann er es nur auf dem Boden der sozialistischen Grundsätze. (Potlesk na levici.)

7. Øeè sen. Polacha (viz str. 510 protokolu):

Hohes Haus! Das Verhältnis der gesamten Ausgaben für militärische Zwecke zu jenen für Schulzwecke drückt ungefähr das Verhältnis der Respektierung aus, welche die Regierung und der Staat für die militärische und für die geistige Ausrüstung hegen. Ich werde mich darüber nicht entrüsten, wir wissen sehr gut, dass die Schule nie etwas anderes war und auch gegenwärtig nichts anderes ist als ein Politikum, dass in ihr, wenn auch vielfach mit idealistischer oder ideologischer Verbrämung, zum Ausdrucke kommt, was die einzelnen Gruppen der wirtschaftlich interessierten Menschen, wie sie in den Parteien zum Ausdrucke kommen, vom Staat und von der Gesellschaft wünschen. Es projiziert gewissermassen jeder als Mitglied einer bestimmten Partei seine Auffassung auf den Staat und wünscht, dass der Staat eine Verwirklichung der Ideen sei, für die er politisch eintritt. Daher drückt sich in der gegenwärtigen Phase der geschichtlichen Entwicklung in allen Formen des Budgets dasjenige aus, was die einzelnen Parteien inbezug auf den Staat und die Gesellschaft wollen. Sicherlich kommt auch immer etwas von einer Weltanschauung hinein, das hat aber mehr einen dekorativen als wesentlichen Wert, es ist mehr an der Oberfläche der Sache, aber nicht im Kern. Ich will nicht leugnen, dass auch unsere Auffassung, die Auffassung der Sozialdemokratie von der Schule, unserer gesellschaftlichen, wenn Sie wollen, unserer Auffassung vom Staat entspricht, wiewohl wir dem Begriffe Staat, weil er durch die historische Entwicklung zu einem Herrschaftsinstrument über die Menschen geworden ist, während wir die Gesellschaft organisieren wollen als ein Verwaltungsinstrument im Interesse der Menschheit, ein bischen misstrauisch gegenüberstehen. Aber auch wir wollen natürlich, dass die Schule zu einem Instrumente der Verwirklichung jener Ideen und Ideale werde, welche die Ideale des Sozialismus sind, zu einem Instrumente der Verwirklichung der sozialistischen Solidarität der Menschen, zu einem Instrument der Ueberwindung der Klassengegensätze und Klasseninterressen, zu einem Instrumente der Vorbereitung einer Gesellschaftsordnung, in der jedes einzelne Individuum seine persönlichen Interressen gegenüber denen des anderen zurückstellt.

Die Auffassung der Schule in Oesterreich war eine patriotische. Die Auffassung der Schule, wie sie die bürgerlichen Parteien wollen, ist auch eine patriotische. Früher war der Patriotismus die Habsburgerei und alle die verlogenen Legenden um dieses Geschlecht, welches die österreichisch-ungarische Monarchie als ein Fideikommiss seines eigenen Hauses aufgefasst hat. In den Dienst der Aufrechterhaltung dieses widernatürlichen Verhältnisses ist die patriotische Legende und die patriotische Erziehung gestellt worden. Und für all dieses haben sich die nationalen Parteien des Bürgertums eingesetzt, weil ein Teil ihrer Interessen als Klasse parallel gewesen ist mit den Interessen der Dynastie, weil sie nach dem Grundsatze vorgegangen sind: Unser Kaiser absolut, wenn er unseren Willen tut, wenn unser konservatives Gesellschafts- und Staatsinteresse dadurch gewahrt ist.

Und, werte Anwesende, ich muss sagen, dass in dieser Beziehung innerhalb der bürgerlichen Parteien sich auch die klerikale Partei nicht unterscheidet. Ich erkläre hier mit aller Bestimmtheit, dass ich als ein guter Sozialdemokrat jeden Menschen verurteile, der das religiöse Gefühl irgendeines Menschen verletzt, der die religiöse Ueberzeugung irgend eines anderen Menschen nicht respektiert. Ich sage ausdrücklich, dass ich das als ein sehr guter Sozialdemokrat tun kann, denn in diesem tieferen Sinne ist der Programmpunkt von der Religion als Privatsache aufgefasst worden, in diesem Sinne, und nicht was der oder jener, der als persönlicher Religionsphilosoph das Bedürfnis hat, über Weltdinge sich auseinanderzusetzen, als persönliche Meinung äussert. Das ist der richtige Gesichtspunkt.

Ich bin der Letzte, der leugnen wird, dass der Kirche und der Religion in der historischen Entwicklung der Schule eine grosse Bedeutung zukam. Es ist gar kein Zweifel, dass sie im Mittelalter eine grosse Bedeutung gehabt hat, dass sie auch eine Bedeutung hat in dem Sinne, in welchem aus einer bestimmten Weltanschauung die Religion zu den Dingen Stellung genommen hat, aus der Anschauung heraus, die Menschen zu erziehen zu Bürgern einer anderen Welt, mit Geringschätzung, Vernachlässigung, Hintansetzung ihrer irdischen Interessen, was als durchaus idealistisches Empfinden herauskam. Nur hat sie keinen Sinn gehabt auf dem Boden der Wirklichkeit oder hat gegenwärtig keinen Sinn. Aber nichts zu tun hat mit dieser Auffassung der Religion oder religiösen Erziehung jene Auffassung, welche die Schule dazu machen will, dass sie mit ihren Mitteln die Jugend erziehe nicht zu Bürgern des Reiches Gottes, sondern zu willigen Untertanen des diesseitigen Kirchenreiches, welche sie erziehen will zu der Auffassung, - und auch deswegen sage ich, dass sich hier die klerikale Partei nicht von den anderen Parteien unterscheidet - zu der Auffassung, dass das Unrecht der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, von dem wir wissen als historisch denkende Sozialisten, dass es seine geschichtliche Notwendigkeit gehabt hat, als eine von Gott gewollte Notwendigkeit verteidigt wird. Das ist die grosse Anpassungsfähigkeit der Vertreter der Kirche, die sich mit dem Absolutismus ebenso gut abfinden wie mit der Republik, mit dem Monarchismus wie mit der Demokratie. Die Auffassung, als ob die Kirche ein besonderes Recht auf die Schule haben sollte, muss als unerträglich erscheinen mit den positiven und konkreten Interessen der staatbürgerlichen oder gesellschaftsbürgerlichen Erziehung, ohne dass wir im geringsten den religiösen Einflüssen, die aus den religiösen Bedürfnissen der Menschen fliessen und die ausserhalb des Staates und seiner Institutionen verwirklicht werden, entgegentreten wollen. Aber jene Auffassung, die sich identifiziert mit dem historisch gewordenen Unrecht des Staates und ihn sanktioniert, ist dieselbe Auffassung, aus der heraus einer der grössten Denker aller Zeiten, Thomas von Aquino, in der Einleitung der Ausgabe des >Staates des Aristoteles< von Parma gesagt hat: >Für die Sklaven, die das Land bebauen, ist es zuträglich, dass sie nützlicher seien für die Bearbeitung des Landes und nicht ausarten in Umtrieben wider ihre Herren.< Ich meine, dass das durchaus für die damalige Zeit, für das 13. Jahrhundert, der ideologische Ausdruck der Stellungnahme zu den Verhältnissen war, zu der Standeverfassung, und ich will nur zeigen, dass die Anpassung..... (Senátor dr. Reyl: Která stránka?) Das ist die Parmaneser Ausgabe XXI. Seite 662.