5. Øeè sen. dr Hellera (viz str. 1231 protokolu):

Meine Damen und Herren! Gestatten Sie mir vorerst eine kleine Reminiszenz aus einer früheren, längst vergangenen Zeit, an die Sie vielleicht nicht gerne erinnert werden, an die Zeit vor dem Kriege. Wenn wir in den nun selig entschlafenen Delegationen einen Minister reden hörten, da hörten wir ihn, wie er vom Frieden sprach - das ist selbstverständlich, denn es hat noch nie einen Minister gegeben, der nicht vom Frieden und seinem Willen zum Frieden gesprochen hätte, - wir hörten, wie er ein Land nach dem anderen hernahm und das Verhältnis zu jedem dieser Länder im rosigsten Licht schilderte, aber immer mit gewissen Abstufungen; wenn ich so sagen darf, jeder Minister, ob er nun Ährenthal oder Berchtold oder wie immer hieß, erteilte Zensuren. Er erzählte von einem sehr innigen Verhältnisse zu Deutschland, von dem schon nicht mehr so innigen Verhältnis zu Italien, und dann ging es weiter bis Serbien und Rußland hinunter.

An diese Reden der damaligen Minister des Äußern in den Delegationen wurde ich sehr lebhaft erinnert, als ich heute unseren Herrn Minister über die Verhältnisse von heute sprechen hörte. Auch er sprach selbstverständlich - das ist ja natürlich - davon, daß die Èechoslovakische Republik und daß er selbst den Frieden wolle, auch er erzählte uns, wie er zu den anderen Ländern stehe, erzählte von einem sehr innigen Verhältnisse zu Jugoslavien und Rumänien, von einem angebahnten, sehr freundschaftlichen Verhältnis zu Italien, selbstverständlich auch zu Frankreich und England, dann kamen, ich glaube mich daran zu erinnern, freundnachbarliche Beziehungen zu Österreich, korrekte Beziehungen zu Deutschland und nichtaggressive Beziehungen - wie sich der Herr Minister ausdrückte - zu Rußland. Also Sie sehen, derselbe Text - dasselbe Lied, nur der Herr Verfasser hat sich geändert. Nun, meine Damen und Herren, wir wissen auch, daß den Versprechungen und Reden der Minister, die damals im alten Österreich unsere auswärtige Politik lenkten, nicht viel zu trauen war und daß diesen Versprechungen und Reden der Krieg folgte. Wir können auch den Versprechungen und den Versicherungen, die uns de r Herr Minister heute gab, kein Vertrauen entgegenbringen, denn wir sind vor allem nicht in der Lage zu überprüfen, ob das, was uns der Herr Minister hier gesagt hat, ich will nicht sagen, subjektiv, aber objektiv richtig ist. Wir sind auch deshalb hiezu nicht in der Lage, weil sich der Herr Minister ständig, seit dem ersten Tage, weigert, uns die Materialien zu all dem, die Noten, die gewechselt wurden, usw. vorzulegen.

Wenn wir die Rede, die der Herr Minister heute hier hielt, - soweit ich ihr zu folgen in der Lage war, denn auch das ist für uns eine ungeheuere Schwierigkeit, - wenn wir diese Rede verfolgen, so haben wir bemerkt, daß sich der Herr Minister sachlich sehr ausführlich mit unserem Verhältnis zum Vatikan beschäftigt hat; ob das heute in der Zeit der Londoner Konferenz, in der Zeit der russischen Unruhen das Allerwichtigste ist, weiß ich nicht. Er hat sich auch sehr sachlich über den Inhalt dessen geäußert, was über die Konferenz in Portorose zu sagen war; daß ist gewiß schon viel wichtiger als unser Verhältnis zum Vatikan, aber es handelt sich hier doch wirklich nur um Dinge, wie zum Beispiel die Verteilung des Wagenparkes, die Regelung des Eisenbahn- und Transitverkehres, um Post, Telegraphen, Telephon, Kohlenverkehr, Wasserstraßen, Paß- und Zollangelegenheiten, um Naphtha, Petroleum und ähnliche Details, die natürlich von größter wirtschaftlicher Bedeutung für uns sind, die wir sehr gerne gehört haben und die wir mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen und hoffen, daß sie auch durchgeführt werden, aber über die anderen Dinge ist er hinweggeglitten mit - er möge entschuldigen, ich kann es nicht anders bezeichnen, - mit Redensarten. Er hat uns erzählt, daß er mit dem Kanzler Mayr gesprochen hat; worüber er gesprochen hat und was bei dieser Besprechung herauskam, hat er uns aber nicht erzählt. Er hat uns erzählt, was er in Rom mit dem Minister Grafen Sforza gesprochen, er hat uns erzählt, wie freundschaftlich sich unser Verhältnis zu Italien anlasse, aber er hat uns wiederum nichts davon erzählt, welchen Inhalt diese Gespräche hatten und insbesondere, welches Resultat sie zeitigten. Noch weniger haben wir natürlich über das Resultat dessen gehört, was in Paris mit den französischen und polnischen Ministern zustande kam.

Meine Herren! Mit bloßen Erzählungen, wo der Herr Minister gewesen ist, mit wem und worüber er gesprochen hat, ist uns nicht gedient. Das haben uns schon die Zeitungen ausführlich berichtet, der Herr Minister hat auch Interviews darüber gewährt, das haben wir alles schon gelesen, darauf waren wir nicht neugierig. Aber wir waren neugierig, über den Inhalt dieser Gespräche und über die Resultate etwas zu erfahren. das nicht erschöpft ist durch allgemeine Zusicherungen wie: Unsere Politik bewegt sich auf der Bahn des Friedens, der Konsolidierung. Darauf werde ich noch zu sprechen kommen. Und wenn der Herr Minister von den tradionellen Beziehungen zu Italien und anderen Ländern spricht, bin ich offen gesagt nicht in der Lage, bei einem Staate, der erst zwei Jahre besteht, zu verstehen, was er unter Traditionen meint; von Traditionen werden wir, wie ich hoffe oder annehme, vielleicht in dreißig oder vierzig Jahren sprechen, das heißt nicht wir, sondern unsere Nachfolger, aber heute können wir nur schwer von Traditionen sprechen, es sei denn daß sich der Herr Minister gewissermaßen als Nachfolger oder Fortsetzer der alten österreichisohen Politik betrachtet. Dann können wir von Traditionen sprechen. (Veselost na levici. ) Sonst aber haben wir noch keine Traditionen, wir müssen sie erst schaffen.

In der Rede des Herrn Ministers hat auch ein Wort nicht gefehlt, das ich lieber nicht gehört hätte, das Wort vom »Prestige«. Es wird sich empfehlen, dieses Wort »Prestige«, das uns die allerunglücklichsten Dinge gebracht hat, vielleicht nicht gar zu oft zu gebrauchen. Ich glaube, daß sich die Politik eines Staates nicht nach seinem Prestige, nicht nach der äußeren Erscheinung seines Ansehens richten sollte, sondern vor allem nach seinen Interessen und nach dem, was zum Wohle seiner Völker notwendig ist. »Prestige«, das war das berühmte Wort, das wir vor dem Kriege sehr oft gehört haben: das Prestige, die Ehre Österreichs hat es bekanntlich erfordert, in Serbien einzumarschieren, daß Prestige Österreichs hat den Weltkrieg mit herbeigeführt, und ich glaube daher, es wäre besser. dieses ominöse Wort nicht zu hören.

Was wir in erster Linie an der Politik unseres Herrn Ministers des Äußern bekämpfen, ist das, daß er vom ersten Tage an jene Politik mitgemacht hat, die Frankreich und England, die Siegerstaaten, als ihre Politik hingestellt hatten, eine Politik, die nichts anderes war, als die Politik des kapitalistischen Imperialismus dieser beiden Staaten. eine Politik, die nichts anderes bedeutete als die Ausdehnung des kapitalistischen Expansionsbedürfnisses Frankreichs und Englands auf die anderen Staaten, die nichts anderes bedeuteten, als die Vertretung der Interessen Englands und Frankreichs, die auch in dieser Richtung voll im Friedensvertrage zur Geltung kam. Unser Widerstand und unsere Gegnerschaft gegen die Politik des Herrn Ministers beruht eben darauf, und unsere Gegnerschaft gegen die Politik mitgemacht hat, daß die Èechoslovakei seit dem Umsturze diese Politik gleichfalls vertreten hat, eine Politik, der wir alle die Wirrnisse, alle die Übel, all das Unglück zuzuschreiben, welche seither über die Völker gekommen sind.

An den Worten des Herrn Ministers, die ich vorhin zum Teil zitiert habe und die zum Inhalt hatten den Grad des freundschaftlichen Verhältnisses zu den anderen Staaten, ist auch eines ungemein auffallend. Es wächst nämlich der Grad der Freundschaftlichkeit mit der Entfernung. Je weiter ein Staat von uns entfernt ist, umso freundschaftlicher sind wir mit ihm. Mit Jugoslavien, Italien, England, lauter Staaten mit denen wir keine Grenzen haben, die fernab von uns liegen, mit denen stehen wir ausgezeichnet. Mit den Staaten, die rund herum um uns liegen, ist das Verhältnis teils korrekt, teils nicht aggressiv. Also mit Österreich, mit Deutschland, mit. Ungarn, mit Polen besteht kein freundschaftliches Verhältnis, sondern da ist ein nur so gerade korrektes Verhältnis; aber ich glaube, daß wir in unserer Wirtschaft und in unserer Politik doch viel mehr angewiesen sind auf diese Staaten, denen wir benachbart sind, an die wir unmittelbar angrenzen, mit denen wir nicht nur drei Viertel, sondern vielleicht neun Zehntel unseres gesamten wirtschaftlichen Verkehres gemeinsam haben, als auf jene Staaten, die so weit weg von uns liegen und deren Hilfe im Ernstfall wahrhaftig nicht viel wert sein wird.

Wenn wir heute hier sprechen, dann, glaube ich, ist es für uns vor allem ein Herzensbedürfnis, einige Worte darüber zu sagen, was heute Deutschland gegenüber getan wird; ich glaube, daß wir von dieser Stelle aus sagen müssen, daß wir mit unseren Sympathien bei unseren Brüdern drüben im Reiche sind. (Potlesk na levici-), daß wir vom ganzen Herzen hoffen und wünschen, daß dieser neue Leidenskelch, den die verbündeten Kapitalisten Englands, Frankreichs und leider, wenn auch indirekt, auch der Èechoslovakei über dieses unser Nachbarreich, mit dem wir so innig verbunden sind, ausschütten, vorübergehe, daß wir in diesem schweren Kampfe nur hoffen und wünschen, daß Deutschland aus demselben heil und unbeschädigt hervorgeht. Was wir vor allem nicht hoffen und nicht wünschen, das ist, daß auch wir in diesen Kampf hineingezogen werden. und wenn der Herr Minister meint, man könne heute ganz ruhig sein, es sei dies ganz ausgeschlossen, so fürchte ich - das hat man vor dem Kriege auch immer gesagt, wenn irgendeine Verwicklung war. und zum Schluß kam es immer wieder anders, - so fürchte ich, wenn dieser Überfall, der jetzt auf Deutschland verübt wird, weitergeht, daß auch die Èechoslovakei sehr leicht in denselben hineingezogen werden kann. Und, meine Herren, ich muß hier ganz offen sagen, - darüber darf kein Zweifel bestehen - daß, wenn Bismarck einmal gesagt hat, daß ihm der Balkan nicht die Knochen eines pommerschen Musketiers wert ist, uns nichts die Knochen unserer deutschen Arbeiter wert ist. Unsere deutschen Arbeiter werden in einen neuen Krieg zwei Jahre nach Beendigung des Weltkrieges nicht ziehen und jeder Versuch, uns in einen Krieg mit wem immer zu verwickeln, wird an dem Widerstand der deutschen Bevölkerung dieses Landes scheitern. (Potlesk na levici. ) Wir müssen das heute hier aussprechen, ehe es zu spät ist, denn wir wollen nicht den Augenblick abwarten. sondern wir wollen heute schon hier offen aussprechen und wollen darüber keine Unklarheit aufkommen lassen, daß wir, soweit es uns anlangt, nämlich die deutschen Arbeiter dieses Staates, keinen Krieg wollen und unter keinen Bedingungen einen neuen Krieg mitmachen werden. Diesen Krieg werden wir umso weniger mitmachen, als er wie alle Kriege ein Krieg des vereinigten Kapitalismus der Entente und auch der Èechoslovakei wäre.

Der Herr Minister hat sich darüber aufgehalten, daß Österreich in der Èechoslovakei Investitionen hat, anstatt sie im eigenen Lande zu verwenden. Nun, vor allem einmal möchte ich doch darauf verweisen, daß man ganz große Mengen von österreichischem Kapital direkt genötigt hat hieherzukommen, indem man es genötigt hat, den Sitz der Gesellschaften hieher zu verlegen. Das ist schon ein Beweis, daß es nicht immer so ganz freiwillig war, und dann: glauben Sie wirklich, daß es für den èechischen oder deutschen Arbeiter einen großen Unterschied macht, ob er vom französischen Kapital, vom englischen Kapital, vom italienischen, vom österreichischen oder vom èechoslovakischen Kapital ausgebeutet wird? So groß ist der Unterschied für den èechischen und deutschen Arbeiter nicht, als daß er daraus irgendwelche Konsequenzen ziehen würde.

Meine Herren! Wir haben leider vom Herrn Minister sehr wenig über die Vorgänge in London Deutschland gegenüber gehört. Ich verstehe das durchaus; ich verstehe es, daß sich der Herr Minister heute unter diesen Verhältnissen eine gewisse Reserve auferlegen muß, und ich nehme es ihm nicht übel. Aber wir müssen uns nicht in der Richtung Reserve auferlegen, daß wir nicht klar aussprechen könnten, welche Ansicht wir über die Sache haben.

Es wurde auch über das Verhältnis zu Polen sehr viel gesprochen; der Herr Minister hat es strikte abgelehnt, daß er in Verhandlungen über ein Bündnis mit Polen stand, und er hat sich bezüglich der Durchfuhr des Kriegsmaterials auf das Völkerrecht berufen, soweit ich ihn richtig verstanden habe. Es freut mich, wenn der Herr Minister mit dieser Sicherheit davon sprechen kann, daß ein Bündnis mit Polen nicht zustande kam. Aber es will mir doch scheinen, daß dieses Nichtzustandekommen nicht an dem bösen Willen des Herrn Ministers gescheitert ist, sondern oben an den so ungeklärten Verhältnissen mit Polen an jenen Verhältnissen, die Polen der Èechoslovakei gegenüber nicht gerade freundlich gesinnt erscheinen lassen, und daß das Nichtzustandekommen dieses Bündnisses vielleicht weniger Schuld oder weniger Nichtschuld des Herrn Ministers ist als eben Schuld dieses wenig freundlichen Verhältnisses, in dem wir heute zu Polen noch stehen. Und was die Durchfuhr des Kriegsmateriales anlangt, so steht heute Polen mit Rußland noch immer im Kriegszustande. Es hat nur einen Waffenstillstand abgeschlossen, die Friedensverhandlungen sind noch nicht beendet, der Friede noch nicht unterzeichnet. Trotzdem wird aus der Èechoslovakei heute schon Kriegsmaterial, und zwar Geschütze von Škoda und Munition nach Polen geschafft, entweder direkt oder über Frankreich, und es waren die èechischen Arbeiter, welche diesem Vorgehen den schärfsten Widerstand entgegengesetzt haben. Also wir können da von einer vollen Neutralität diesen beiden Staaten gegenüber nicht sprechen.

Wenn der Herr Minister davon gesprochen hat, daß sich die Verhältnisse Rußland gegenüber gebessert haben, daß insbesondere auch Frankreich jetzt seinen Privatpersonen erlaubt hat, als Privatpersonen mit Rußland Geschäfte zu machen, so erinnert mich das an den Spruch: Ein braver Deutscher kann keinen Franzmann leiden, doch seine Weine trinkt er gern. Ein braver Franzmann kann Rußland nicht leiden, aber es ausbeuten, Geschäfte mit den Russen machen, das tun sie alle gern. Amerika ist mit gutem Beispiel vorangegangen, England ist nachgefolgt, und jetzt kommt Frankreich; Kommissionen werden schon hin und her geschickt, und auch die Èechen werden an der Exploitierung Rußlands soweit als möglich teilzunehmen versuchen. (Sen. Dr Kovalik: A Nemecko to nerobilo? A robi ešte teï!) Ich verteidige doch nicht Deutschland, ich werde doch keinen kapitalistischen Staat verteidigen, das fällt mir doch nicht ein. Das sind Zwischenrufe, die ich nicht verstehe. Meine Polemik richtet sich ebenso gegen das kapitalistische Deutschland, wie gegen das kapitalistische Frankreich und England. Sie sagen immer und immer, wir haben es oft und oft gehört, daß in Deutschland der reaktionäre Geist wieder im Erstarken sei. Mag sein, die Wahlen beweisen daß die Rechtsparteien an Stimmen gewinnen. Aber wer anders war schuld daran, als die Politik. die Sie und Ihre Verbündete seit zwei Jahren gegen Deutschland betreiben? Wer ist schuld daran, daß in Deutschland immer mehr und mehr Leute ins reaktionäre Lager getrieben werden. als die reaktionäre Politik Frankreichs, Englands und der Èechoslovakei? Wenn dies nun der Fall ist, können Sie den Deutschen keinen Vorwurf machen, so bedauerlich das vor allem von unserem Standpunkt aus ist.

Aber ist es nur in Deutschland so? Siegt denn die Reaktion dank dem Versailler und St. Germainer Frieden nicht überall? Ist denn dieser Friede nicht Grund und Ursache für den Fortschritt der Reaktion hierzulande und anderswo? Dieser Geist des unglückseligen Friedens, dieses Friedens des Kapitalismus, der kapitalistischen Ausbeuter Frankreich und England, die nichts anderes im Sinne hatten, als ein neues Feld ihrer ausbeutenden Betätigung in Deutschland zu haben, die Deutschland alle Kolonien raubten, um nur selbst diese Kolonien auszubeuten, dieser Geist des Imperialismus. dieser Geist des kapitalistischen Ausbeutertums, dieser Geist hat in Versailles und St. Germain gesiegt und diesem Geiste haben auch Sie sich angeschlossen und deshalb können wir Ihrer Politik nie und nimmer Folge leisten. Dieser Geist ist Voraussetzung und Schuld, daß die Reaktion überall in Europa fortschreitet und daß sie überall, wenn sie nicht an der Macht der Arbeiterklassen scheitern wird, zum Siege gelangen wird.

Der Herr Minister sprach viel von unserer Konsolidierung und der Konsolidierung Europas überhaupt. Blicken Sie doch rund herum in diesem armen Europa und betrachten Sie, was diese Friedensschlüsse von Versailles und St. Germain aus diesem armen Europa gemacht haben! Schauen Sie auf ihren besten Freund, den Sie haben, auf Südslavien. Nach den Wahlen hat man die Arbeitervereine aufgelöst, Standrecht und Ausnahmsgerichte wurden verhängt, die kommunistische Partei unterdrückt und geknebelt. Wenn Sie das Konsolidierung nennen, sind Sie sehr bescheiden in Ihren Ansprüchen auf Konsolidierung. In Italien vergeht kein Tag, an dem nicht in den Zeitungen von Blutvergießen die Rede ist. Der Kampf zwischen Reaktion und Arbeiterschaft hat dort Formen angenommen, bei welchen wir von Konsolidierung nicht mehr reden können. Aber gehen wir nicht so weit, bleiben wir in unserem Lande. Kaum ein Monat ist seit dem Umsturze vergangen, an dem hi er nicht in diesem Lande Blut vergossen wird, seit Kaaden und Mähr. Schönberg zieht sich eine endlose Kette über Eger, Asch, Karlsbad, Prag, Brüx, Oslavan bis nach Krompach hin und in allen diesen Fällen ist Bürgerblut geflossen. Da gibt es keine Konsolidierung, da kann man nicht davon sprechen, daß die friedliche Entwicklung des Staates Fortschritte gemacht hätte. Nein, das müssen auch Sie zugeben. daß die Elendsfrieden von Versailles und St. Germain Europa nicht zur Ruhe kommen lassen, daß diese Friedensschlüsse, die nur im Interesse des französsichen und englischen Kapitalismus geschlossen wurden, Europa an den Rand des Abgrundes gebracht haben. Und wenn wir heute, zwei Jahre nach diesem furchtbaren Krieg wer hätte das je für möglich gehalten vor der Möglichkeit stehen, daß wieder ein neuer Krieg hier ausbricht, so ist das der beste Beweis dafür, daß nicht das Anklammern an diese Friedensverträge von Versailles und St. Germain, wie es der Herr Minister propagiert, sondern, daß die Revision der Friedensverträge das Programm eines wahrhaft friedlichen Ministers sein muß. (Potlesk na levici. )

Meine Herren und Damen! Aus all den Gründen, die ich hier angeführt habe, und hauptsächlich aus dem einen Grunde, den ich immer wieder hervorhebe. weil nämlich die Politik dieses Staates basiert auf den Friedensverträgen von Versailles und St. Germain, weil die äußere wie die innere Politik dieses Staates auf diesen Kriegsverträgen von Versailles und St. Germain aufgebaut ist, deshalb können wir dieser Politik kein Vertrauen entgegenbringen, deshalb müssen wir sie ablehnen. Schauen Sie doch, was in diesen zwei Jahren für die wirtschaftliche Entwicklung aller Staaten und insbesondere auch unseres Staates geschehen ist. Wie hat sich unser Staat in diesen zwei Jahren wirtschaftlich entwickelt? Wir taumeln aus einer Krise in die andere, aus einer Regierungskrise in die andere, aus einer Parlamentskrise in die andere aus einer Wirtschaftskrise, aus einer Finanzkrise in die andere, und das alles kommt daher, weil diese Friedensverträge geschlossen wurden, die eine ruhige Entwicklung Europas unmöglich machen, da sie in Wahrheit nichts anderes waren, als, was ich schon wiederholt hervorgehoben habe, der Versuch der kapitalistischen Siegerstaaten ihre kapitalistische Herrschaft über andere Staaten aufzurichten. Und weil sich diese anderen Staaten dem naturgemäß widersetzen, deshalb kann und wird ein wirklicher Friede aufgrund dieser Verträge von Versailles und St. Germain niemals zustande kommen.

Was wir vom Herrn Minister des Äußern verlangen, ist, daß er sich einsetzt für eine Revision dieser Friedensverträge u. zw. so rasch als möglich. (Souhlas na levici. ) Was wir verlangen, ist, daß er mit uns arbeite an der Beseitigung des kapitalistischen Systems in Europa. Nur dann wird hier Friede eintreten, nur dann wird die sozialistische Ordnung an die Stelle der kapitalistischen Anarchie, der kapitalistischen Unordnung treten können. Weil aber der Herr Minister am kapitalistischen Wiederaufbaue aufgrund dieser Friedensverträge weiter arbeitet, an der Weitererhaltung der Zustände, die wir heute hier haben, weil er daran mitarbeitet, daß aufgrund dieser Friedensverträge der Kapitalismus wieder sein Haupt erheben kann, daß die Reaktion in ganz Europa siegt, deshalb lehnen wir die Erklärung des Herrn Ministers ab und werden gegen deren Kenntnisnahme stimmen. (Souhlas. a potlesk na levici. )

6. Øeè sen. dr Ledebura-Wichelna (viz sir. 1240 protokolu):

Hoher Senat! Der Herr Minister des Äußern hat die Beantwortung zweier aus den Kreisen deutscher Senatoren eingebrachten Interpellationen zum Anlasse genommen, um über seine letzte Rundreise und die gegenwärtige Lage der Außenpolitik im allgemeinen Bericht zu erstatten. Dieser Bericht stellt sich als eine Ergänzung des Vortrages dar. den der Herr Minister vor einigen Tagen im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten hielt. Es sei mir daher als dem vom deutschen Parlamentarischen Verband delegierten Redner gestattet. in meinen Ausführungen nicht nur auf die heutige Rede des Ministers des Äußern, sondern auch auf den seinerzeitigen Bericht, den er im Ausschusse vorgebracht hatte, zu reagieren.

Was die Antwort betrifft, die der Herr Minister des Äußern auf die eingebrachten Interpellationen erstattet hat, hat sich mein sehr geehrter Herr Vorredner mit dieser Angelegenheit eingehend beschäftigt, so daß ich sie nicht weiter berühre.

Zu dem Bericht des Herrn Ministers des Äußern über die außenpolitische Lage übergehend, möchte ich zunächst anerkennend feststellen, das er alle in Betracht kommenden Fragen, selbst die im Ausschuß als vertraulich bezeichneten, mit großer Offenheit besprochen hat. Es hat aber den Anschein, als ob die innere Aufrichtigkeit des Herrn Ministers mit der nach außen hin zur Schau getragenen Offenheit nicht gleichen Schritt hielte. Es wurde zwar alles berührt, aber manches, und zwar gerade das für uns Wissenswerteste, ist verschwiegen worden. Man ist versucht zu glauben, daß der Herr Minister auf seiner Reise von den traditionellen Schwächen der westlichen Berufsdiplomatie nicht unbeeinflußt geblieben ist, von den Schwächen jener alten Berufsdiplomatie, nach deren Auffassung die Ohren der gewöhnlichen Sterblichen nicht würdig und fähig sind, das zu verstehen, was die Diplomatie sprechen oder was sie zu besprechen vergessen hatten.

Ich bitte mir zu gestatten, daß ich dem Herrn Minister an der Hand der von mir im Ausschuß gemachten Notizen auf seiner Reise folge, und zwar zunächst nach Linz. Herr Dr Beneš hat in seiner Besprechung mit dem deutschösterreichischen Bundeskanzler eine volle Übereinstimmung in den Ansichten konstatiert. Dies ist selbsverständlich, denn führende Diplomaten konstatieren bei derartigen Gelegenheiten niemals etwas anderes. Was der Herr Minister über die Mittel zur Sanierung Deutschösterreichs gesagt hat, will ich nicht weiter berühren, das ist mehr oder weniger eine innerösterreichische Angelegenheit. Ich möchte nur feststellen, daß der Herr Minister seiner Überzeugung von der Existenzmöglichkeit Deutschösterreichs und dem Bestreben auf Wiederkehr normaler zwischenstaatlicher Beziehungen, und zwar durch gemeinsames Zusammenarbeiten aller europäischen Staaten Ausdruck gegeben hat. Letztere Absicht nehmen wir mit Befriedigung zur Kenntnis und wir hoffen, daß es diesmal nicht nur bei der Absicht bleibt. Er hat mit dem Bundeskanzler über die Dynastie- und Anschlußfrage gesprochen, wir haben aber nicht erfahren, ob der Bundeskanzler den von Herrn Dr Beneš am 27. Jänner 1921 im Abgeordnetenhaus der Nationalversammlung vertretenen Standpunkt teilt. ob demzufolge die internationale Situation es gegenwärtig nicht gestattet, daß der die Auschlußfrage betreffende Artikel des Friedensvertrages von St. Germain geändert wird, daß diese Frage heute noch nicht reif sei und daß sie erst in einigen Jahren gestellt werden könnte. Der Herr Minister hat in seiner Unterredung mit dem Bundeskanzler Dr Mayr eine erfreuliche Übereinstimmung bezüglich der auf der Konferenz zu Porto Rose zu lösenden Fragen erzielt. Wie wir hören, soll sich dieses Programm zunächst mit verkehrstechnischen Fragen befassen. Diese Äußerung des Herrn Ministers hat durch die am 3. März in der deutschösterreichischen Nationalversammlung abgegebenen Erklärung des Bundeskanzlers Dr Mayr eine wertvolle Ergänzung gefunden. Wir begrüßen diese Tatsache umsomehr, als die teils absichtlich herbeigeführten, teils bisher als natürliche Folge der durchgeführten Trennung eingetretenen Schwierigkeiten, welche die natürlichen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschösterreich und der Èechoslovakei nun schon seit zwei Jahren hemmen, einer dringenden Besserung bedürfen, wenn nicht auch die èechoslovakische Volkswirtschaft schweren Schaden leiden soll. Ich verweise nur auf den Reise- und Warenverkehr, auf die Verhinderung der Ein- und Ausfuhr, auf die gegenseitigen Zahlungsschwierigkeiten, auf den schon vom Herrn Dr Heller erwähnten Zwang, die Sitze der großen Industrien, die sich früher in Wien befanden, in die Èechoslovakei zu verlegen, auf die Frage der Aufteilung der alten Staatsschuld, auf die Berechnung der Wiener Barguthaben in alten Wiener Kronen und auf andere wirtschaftspolitische und finanzielle Probleme, die Deutschösterreich gegenüber bisher in einem ausgesprochen unfreundlichen Sinne behandelt wurden und in letzter Zeit auch zu wirtschaftlichen Repressalien seitens Deutschösterreichs geführt haben. Es geht nicht an, die Tatsache, daß Wien nach wie vor und heute mehr als je ein kommerzielles Zentrum bildet, wegleugnen zu wollen. Es ist ein hoffnungsloses Bemühen, eine mehr oder minder bedeutungslose Provinzstadt »Bratislava« zu taufen und dann zu erwarten, daß sie Wien den Rang ablaufen soll. Deutschösterreich befindet sich in einer schweren staatsrechtlichen und staatsfinanziellen Krise, aber wirtschaftlich ist es gesünder, als man glaubt. Es hat verhältnismäßig weit weniger Arbeitslose als die reichen Siegerstaaten und zieht aus der Entwertung der Valuta große Gewinne. Industrie, Landwirtschaft, Gewerbe und Handel dieses Staates sind seit Jahrhunderten an die Verbindung mit Deutschösterreichs Zentrum gewöhnt. Es war wirtschaftlich verfehlt, diese Nervenstränge zu unterbinden, und es hätte keinen Sinn, Deutschösterreich gegenüber eine Politik zu führen, die kürzlich eine französische Zeitung mit den Worten charakterisierte, daß sie wenigstens offiziell nicht auf den Untergang Deutschösterreichs gerichtet sei. Wir dürfen wohl in dem Ergebnis der zwischen dem Herrn Dr Beneš und dem deutschösterreichischen Bundeskanzler geführten Besprechungen den ersten erfreulichen Schritt zu einer Abkehr von dieser Politik erblicken.

Von Linz ist. Dr Beneš nach Rom gereist. Er ist dort mit Enthusiasmus empfangen worden, wie er sagt. Nun, das ist bei dem Temperament der Italiener nichts besonderes. Ich selbst habe drei Winter lang in Rom zugebracht und habe derartige Empfänge wiederholt von gekrönten Potentaten bis zur Primadonna mitgemacht und immer dieselbe Begeisterung gesehen. (Veselost. ) Übrigens haben nicht alle italienischen Zeitungen ihrer Begeisterung über den Besuch des Dr Beneš in gleichem Maße Ausdruck gegeben. So schreibt zum Beispiel ein italienischer Abgeordnete in der »Idea Nazionale« über die Kleine Entente wie folgt (ète): »In dieser Vereinigung slavischer Nationen können wir nichts anderes erblicken als Imperialismus, und dieses umsomehr, als beide Staaten, nämlich die Èechoslovakei und Jugoslavien sich auch geographisch zu vereinigen trachten, ohne Rücksicht darauf, daß sie dabei verschiedene andere Nationen unterdrücken. Selbst Herr Dr Beneš hat sich dahin geäußert, daß sich die Magyaren vor dieser Tatsache beugen müssen. Wir wissen« - sagt der betreffende Abgeordnete weiter - »was es bedeutet, sich vor Tatsachen zu beugen, nichts anderes, als sich vor den èechisch-südslavischen Wünschen zu beugen. Diese Politik hat eine ausgesprochen antigermanische Richtung, und da sie auch gegen das adriatische Meer zieht, muß sie auch als antiitalienisch bezeichnet werden. «

Die Stimme der »Idea Nazionale«, der wir Deutsche uns vollinhaltlich anschließen. dürfte nicht vereinzelt geblieben sein. Die Reise des Ministers nach Rom war zweifellos ein geschickter Schachzug. Ob er sie im Auftrag Frankreichs oder auf eigene Verantwortung unternommen hat, konnten wir nicht erfahren. Dr Beneš hat in seinem Sinne aber zweifellos Erfolge erzielt da. durch, daß Italien in der Entschädigungsfrage voll auf die Seite der Entente trat und daß mit dieser Tatsache der Ring des Hasses und der Gewalt um Deutschland geschlossen ist. Wir Sudetendeutschen lehnen es ab, Glieder in dieser Kette zu sein (Potlesk na levici. ) und verwahren uns dagegen, daß die Èechoslovakische Republik bei den kommenden Handelsverträgen für die italienische Treue vielleicht den gleichen Liebessold bezahlt, wie sie ihn im französischen Handelsvertrage für Frankreichs Freundschaft gezahlt hat.

Der Herr Minister Dr Beneš hat in seinem Exposé auch die volle Übereinstimmung mit Italien in der österreichischen Dynastie- und Anschlußfrage erwähnt. Er hat ferner - wenn ich mich recht erinnere - auch von einer psychologischen Übereinstimmung der beiden Nationen gesprochen. In diesem Sinne will ich dem Minister nicht widersprechen denn derselbe Geist, der Italien im Jahre 1915 veranlaßte, seine Bündnispflicht zu brechen, hat tatsächlich mit dem Geiste, der an der Wiege dieses Staates gestanden ist, eine verblüffende Ähnlichkeit. (Souhlas na levici. ) Das »A basso ¾Austria« und das »Détruisez l'Autriche « bedeuten tatsächlich dasselbe. Herr Dr Beneš dürfte Unrecht haben, wenn er die Übereinstimmung zwischen Italien und der Èechoslovakei als dauernd bezeichnet. Die italienisch-französischen und die italienisch-slavischen Gegensätze sind viel zu tief im Wesen Italiens verankert, als daß sie dauernd verschwinden könnten.

Der Herr Minister hat auch über die Gespräche berichtet, die er mit dem Kardinal Gasparri über die kirchenpolitischen Fragen geführt hat. Ich muß vom Standpunkte meiner Partei anerkennen, daß er sich diesfalls an die kompetente Behörde gewendet hat. Da der Herr Minister im Ausschusse selbst erwähnte, daß dies ganz unoffiziell geschehen ist und er zu einer offiziellen Aussprache nicht berechtigt war, obwohl er nach dem heutigen Berichte doch ziemlich eingehende Verhandlungen gepflogen hat, will ich mich mit dieser Angelegenheit nicht weiter beschäftigen. Nur zwei Bemerkungen des Herrn Ministers möchte ich vom Standpunkte meiner Partei widerlegen, falls ich s eine Worte richtig verstanden habe. Er sagte, daß die kirohenpolitischen Frage nein innere Angelegenheiten des Staates seien und daß das Verfügungsrecht über das Kirchenvermögen nur dem Staate zustehe. Es ist allerdings richtig, daß die katholische Kirche in diesem Staate das ihr gesetzlich zugestandene Recht einer öffentlich-rechtlichen Gesellschaft besitzt, das ihr durch eine Abänderung des Gesetzes wieder genommen werden kann. Die katholische Kirche erhält aber durch die geistige Souveränität und durch die zwischenstaatlich anerkannte Exterritorialität ihres Oberhauptes, das in der Besetzung der wichtigsten geistlichen Stellen, falls mit den einzelnen Staaten nicht gegenteilige Abmachungen gepflogen wurden, vollkommen unabhängig ist, hat einen internationalen Charakter und jede kirchenpolitische Frage prinzipiellen Charakters wird demnach auch zu einer Frage der äußeren Politik. Überdies muß man, was das Kirchenvermögen betrifft, zwischen dem schon früher der Kirche genommenen und unter staatliche Verwaltung übernommenen Vermögen des Religionsfondes und dem noch heute im Besitze kirchlicher Stiftungen und Pfarren befindlichen Kirchenvermögen unterscheiden. Was das erstere betrifft, hat der Staat natürlich eine Verfügung hierüber, aber nur solange, als er für die Bedürfnisse der katholischen Kirche aufkommt. Was das letztere betrifft, ist es ein Vermögen wie jedes andere, das sich vollkommen dem Verfügungsrechte des Staates entzieht, wenn es auch seine Verwaltung überwacht. Wenn der Herr Minister Dr Beneš dem Staate ein Verfügungsrecht über das Stiftungsvermögen der Kirche zuspricht, kann es nur auf Grund des zwischen Mein und Dein nicht mehr ganz klar unterscheidenden Geistes geschehen, auf Grund dessen in diesem Staate das Eigentumsrecht an unbeweglichen Sachen betrachtet wird.

Von Paris erzählte uns der Herr Minister verhältnismäßig wenig. Man hat ihn und den Fürsten Sapieha am Quai d'Orsay offenbar rufen lassen, um - ich bitte mir diese Redewendung zu verzeihen - gewissermaßen den schlimmen Kindern zu sagen: Nun gebt euch einen Kuß und vertraget euch! Aber die bösen Kinder trotzten und wollen sich doch nicht recht vertragen, wie es scheint. Denn der Herr Minister sagte, das es in den Besprechungen, die er mit dem Fürsten Sapieha führte, nur insofern zu einem Ergebnisse gekommen ist, als sie eine Eindämmung der bestehenden Gegensätze und die Beeinflussung der beiderseitigen Presse betrafen.

Diese Beeinflussung der Presse scheint wenigstens in Polen nicht ganz geglückt zu sein. Denn die polnischen Zeitungen, wie »Czas«, »Nowa Reforma«, »Kurier Lwowski«, »Glos Naroda« und andere bringen den polnisch-èechischen Besprechungen das größte Mißtrauen entgegen und stellen einmütig die Revision der Teschener Grenze als erste Grundbedingung weiterer Annäherung dar. Wir können diese Stimmen als die polnische »vox populi« bezeichnen. während die »Gazetta Warzsawska«, die einen der Èechoslovakei wohlwollenden Ton anschlägt, wohl nur die Bedeutung einer »vox bursae« hat.

Der Herr Minister Dr Beneš hat über die Teschner Frage geschwiegen. Er hat uns nicht gesagt, ob auf polnischer Seite gegenwärtig die Geneigtheit besteht, den Grenzvertrag zu unterschreiben. Wir müssen daher annehmen, daß der Streit um den Teschner Vertrag als offene Wunde am Staatskörper weiter besteht und daß diese Wunde nach Durchführung der oberschlesischen Volksabstimmung - besonders, wenn diese zu Polens Ungunsten ausfallen sollte - wieder gefährliche Formen annehmen kann. Herr Dr Beneš hat das französisch-polnische Übereinkommen nur als auf die Sicherung des Versailler Friedens und auf die innere Konsolidierung Polens gerichtet bezeichnet. Es war uns sehr angenehm, aus dem Munde des Herrn Ministers zu hören, daß eine militärische Unterstützung Polens inbezug auf den Schutz seiner weiteren östlichen Grenzen nicht beabsichtigt sei, daß man mit dem Abschluß des Rigaer Friedens rechnen darf und daß der Gedanke einer bewaffneten Intervention in Rußland bei allen allierten Mächten endgültig aufgegeben sei. Allerdings muß man sich fragen, was, wenn alle die vom Herrn Minister erwähnten Voraussetzungen zutreffen. die Munitions- und Waffentransporte zu bedeuten haben, die von Frankreich über èechoslovakisches Staatsgebiet nach Polen geführt werden? Braucht Polen zu seiner inneren Konsolidierung und zur Sicherung der Volksabstimmung Kanonen? Soll Deutschland auch von Osten her mit Waffengewalt zur Nachgiebigkeit gezwungen werden oder soll die französische Munition etwa für alle Fälle einen Vorschuß bilden, da ja im Falle eines èechisch-polnischen Krieges, soweit uns der angebliche Wortlaut des französisch-polnischen Vertrages bekannt ist, eine solche Unterstützung nicht mehr gewährt werden kann? Sind weiter die Gerüchte wahr, daß zwischen Prerau und Mähr. Ostrau Truppen zusammengezogen werden? Ist es richtig, daß eine Teilnahme der Èechoslovakei an den Sanktionen und einer eventuellen Aufteilung Oberschlesiens ins Auge gefaßt wird? Und wenn diese Gerüchte nicht richtig sind, wie kann man die Tatsache erklären, daß, wie ich heute aus ganz bestimmter Quelle erfahren habe, Mobilisierungspläne, die sowohl gegen Deutschland als auch gegen Ungarn gerichtet sind, an die èechoslovakischen Brigadekommanden verteilt werden? (Hört! Hört!) Auf alle diese Fragen möchten wir vom Herrn Minister der Äußern sowie vom Herrn Minister für Landesverteidigung eine offene Antwort erbitten.

Was der Herr Minister über den Orient gesagt hat, will ich als uns ferne liegend übergehen und den Rest, der mir eingeräumten Redezeit dazu verwenden, um mich mit den Pariser Beschlüssen und mit der Londoner Konferenz zu beschäftigen, Ding e, die uns wohl am nächsten stehen. Der Herr Minister hat neulich im Ausschuß zu Beginn seiner Rede gesagt, daß die allgemeine Lage einerseits erfreulich, andererseits aber auch wieder gefährlich sei. In ersterer Beziehung bin ich anderer Ansicht als der Herr Minister, in letzterer Beziehung stimme ich ihm zu, besonders was die Folgen der in Paris und London seitens der alliierten Mächte eingeschlagenen Politik betrifft. Der Herr Minister mag Recht haben, wenn er sagt, daß die Pariser Beschlüsse unabänderlich seien Er mag Recht haben, wenn er behauptet, daß die Hoffnungen Deutschlands auf englisch-französische Mißstimmungen auf die Hilfe Amerikas derzeit wenigstens hinfällig sind, aber ich zweifle daran, ob er Recht hat, wenn er das französisch-englische Bündnis als dauernd bezeichnet. Der Herr Minister hat die politische Konsolidation und die günstige Wirtschaftslage Frankreichs im Ausschusse hevorgehoben. Es ist zweifellos richtig, daß Frankreich heute von allen Staaten am wenigsten innerpolitische Schwierigkeiten hat und dieser Umstand befähigt es, nach außen hin eine tonangebende Rolle zu spielen. Betreffs der wirtschaftlichen Lage Frankreichs scheint aber der Herr Minister einer Täuschung zu unterliegen. Ich gebe zu, daß die weichen Kissen im EIysée-Palais und die kulinarischen Genüsse von Ritz und Durand oder eine Nachmittagsstunde in der Rue de la Paix den Anschein erwecken, daß man sich im Paradies des Wohlstandes befindet. Aber die Kehrseite der Medaille sieht anders aus. Vor kurzem weilten die Vertreter eines der größten französischen Bank- und Geschäftshäuser hier in Prag, und die beiden Herren, mit denen zu sprechen ich Gelegenheit hatte, schilderten die wirtschaftliche Lage Frankreichs in den schwärzesten Farben. Die Kohle, die aus Deutschlands Zwangslieferungen stammt, findet keine Verwendung und wird zum Teile wieder ausgeführt. Viele Fabriken sind eingestellt, weil sie zu teuer arbeiten und gegen die Konkurrenz der deutschen Waren nicht aufkommen können. Man verläßt sich auf den deutschen Milliardensegen und bedenkt nicht, daß man sich durch diesen Midastrunk den wirtschaftlichen Tod holt. Minister Briand mußte neulich in einer Rede das Paradoxon feststellen, daß sich die besiegten Staaten schneller erholen, als die Sieger. Und dieses Problem wird auch nicht gelöst werden. wenn man auch noch eine neue Null zu den Pariser Wahnsinnsforderungen hinzufügt und wenn die französischen Truppen vielleicht bis Berlin marschieren. Mit Gewalt läßt sich das durch den Versailler Frieden geschaffene Unheil nicht mehr lösen.

Der Herr Minister hat im Ausschuß mit warmen Worten die psychologischen Gründe geschildert, die Frankreich zu seiner Unnachgiebigkeit in der Versailler Friedensfrage zwingen. Er hat gesprochen von hunderttausend Flüchtlingen aus dem verwüsteten Gebiet, die bis heute obdachlos sind. Er hat die furchtbaren Verwüstungen und die ungeheuren Kosten der Wiederherstellung und die Verluste an Menschenleben erwähnt, die Frankreich erlitten hat. Das sind Dinge, die jeder, der vier Jahre im Kriege gestanden ist und den ganzen Jammer desselben im eigenen Herzen mit empfunden hat, voll nach fühlen kann. Aber wenn man von den psychologischen Gründen spricht, darf man nicht nur der Psyche einer Seite Erwähnung tun, ganz abgesehen davon, daß die Psyche des Siegers zweifellos tragfähiger ist als die Psyche des Besiegten. Denken Sie sich in die Psyche eines Volkes hinein, das durch vier Jahre vom Weltverkehr abgeschnitten war, gehungert und gedarbt hat, eines Volkes, dessen Söhne in der Gletscherwelt der Alpen, in den Sümpfen Rußlands, in der albanischen Wildnis und in den Wüsten Kleinasiens eine Welt von Feinden im Schach gehalten haben, eines Volkes, das als seine Kräfte zur Neige gingen, im Vertrauen auf das feierliche Versprechen eines mächtigen Gegners die Waffen niederlegte. Denken Sie sich in die Psyche dieses Volkes hinein, das am Ende seines Titanenkampfes betrogen wurde, und das nach zwei weiteren Jahren des Hungers und übermenschlicher Anstrengungen, seine Frohndienste in Gestalt unermeßlicher Werte vor die Füße des Siegers legend, in seiner hoffnungslosen Wehrlosigkeit mit Gewalt zu neuen ungerechten Leistungen gezwungen werden soll. Denken Sie sich in die Psyche dieses Volkes hinein und nun nennen Sie mir ein anderes Volk. das in der Lage wäre, eine solche Niederlage derart zu ertragen. Zweieinhalb Jahre sind verflossen, seit auf den französischen Schlachtfeldern die Kanonen verstummten und noch immer haben die wüsten Schmähungen der Sieger gegen die Besiegten nicht nachgelassen. Es ist eine traurige Veränderung in der Psyche jenes Volkes eingetreten, dem wir den Begriff des Rittertums, des Mannes ohne Furcht und Tadel und den Ursprung jenes ritterlichen Geistes verdanken, der den Gegner und vor allem den gefallenen Gegner achtet. Denn, was heute das französische Volk bewegt, ist Haß und Angst. Angst hat immer etwas klägliches, aber sich davor zu fürchten. daß der zu Boden geschlagene Gegner noch einmal das müde Haupt erhebt, ist verächtlich. Was in Paris und während der letzten Tage in London geschah, ist die Furcht eines pathologischen Deutschenhasses und eines verzweifelnden Militarismus. Wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben, daß in letzter Stunde doch noch eine Einigung erzielt wird, daß doch noch eine Brücke gefunden wird. Wenn aber der Geist des Hasses und der Selbstsucht auch diesmal siegen sollten wenn mit der Abreise der deutschen Deputation tatsächlich alle Verbindungen abgebrochen sind, wenn das ganze deutsche Volk deshalb gestraft werden soll, weil sich kein Deutscher zum Totengräber seines Vaterlandes gefunden hat, dann wird das deutsche Gebiet vielleicht neuerlich von französischen Truppen überschwemmt. deutsche Häfen blokkiert, die deutsche Ausfuhr gedrosselt werden.

Verehrte Herren! Derartige Maßnahmen können an der èechoslovakischen Volkswirtschaft nicht ohne Folgen vorübergehen. Denn wir sind mit der Einfuhr unserer Rohstoffe ebenso wie mit der Ausfuhr auf Deutschland und auf die deutschen Seehäfen angewiesen. Minister Dr. Beneš hat Recht, wenn er fürchtet, daß die Londoner Konferenz gefährliche Zustände in Mitteleuropa schaffen könnte. Es ist ein gewagtes Spiel, 70 Millionen Menschen der Verzweiflung zu überlassen. Dr Kramáø sagte vor Kurzem in einer Rede mit Bezug auf Rußland, der Nationalismus sei ein Kind der Leiden. Das wird sich auch an Deutschland bewahrheiten und so wird Frankreich durch seine Politik, die man inoffiziell in London und Rom heute schon verurteilt, auch das Gegenteil von dem erreichen, was es beabsichtigt. Denn es treibt den deutschen Nationalismus, den es über alles fürchtet. zur höchsten Intensität und es legt die Grundlage für Deutschlands künftige wirtschaftliche Expansion, da es den Überschuß der in Deutschland brotlos werdenden Intelligenz und Arbeiterschaft nach Amerika und nach Rußland, nach einen beiden großen Wirtschaftsgebieten treibt. die in nächster Zeit allein noch einen wirtschaftlichen Aufschwung nehmen können und denen die Zukunft gehört. Was Amerika an Geld und Seemacht heute bedeutet. können wir aus den Worten entnehmen, die der amerikanische Admiral Hughes anläßlich eines offiziellen Bankettes. das am 22. Feber zu Ehren von Washingtons Geburtstag stattfand, sprach. Er sagte: Wir müssen eine Flotte haben, die stark genug ist, der englisch-japanischen Allianz entgegenzutreten.

Meine Herren! Der englisch-amerikanische Konflikt ist eine Tatsache, die heute hüben und drüben ganz offen besprochen wird und die auch Präsident Harding in seiner Botschaft gestreift hat. Der Schwede Kjellen hat vielleicht Recht, wenn er sagt, daß sich das Krisenzentrum der Welt zusehends nach Westen verschiebt. Der große Umformungsprozeß, in den wir seit Beginn des Weltkrieges eingetreten sind, ist noch nicht abgeschlossen. Das künftige - Schicksal der Völker und somit auch das unsere wird durch die großen Ereignisse der Weltpolitik und nicht durch kleine Ententen entschieden werden. Lloyd Georges hat in seiner Antwortrede auf die deutschen Forderungen gesagt, Deutschlands Schuld am Kriege sei eine res judicata. Diese Behauptung im Munde eines Mannes von der weltumfassenden Erkenntnis Lloyd Georges kann nur damit erklärt werden, daß die politische Lage Englands ihm heute noch nicht gestattet, das Lügengewebe zu zerreißen, das Lord Northcliffe um die westliche Hemisphäre geschlungen hat. Lloyd George hat in einer, wenn ich nicht irre am 20. Feber 1920 gehaltenen Rede ganz anders gesprochen. Er sagte damals, daß niemandes Schuld am Kriege erwiesen sei und daß wir alle in den Krieg hineingestolpert seien. Die »Times« griffen diese Bemerkung damals auf und riefen wehklagend: Wenn Deutschlands Schuld am Kriege nicht erwiesen ist, hängt der ganze Versailler Friede in der Luft. Tatsächlich ist es unmöglich, diesem oder jenem Volke die alleinige Schuld am Kriege und an weltpolitischen Ereignissen von derartiger Bedeutung überhaupt zuschieben zu wollen, Ereignissen, die sich aus dem Zusammenwirken der verschiedensten Kräfte durch Jahrzehnte vorbereitet haben. Wer den letzten Anstoß gab, daß die Lawine ins Rollen kam, ist gleichgültig, da keine Macht stark genug war, dieses Unglück aufzuhalten. Solange England und Deutschland in zwei verschiedenen Mächtegruppen standen, war der Weltkrieg unvermeidlich. Nur wenn England auf die Seite des Dreibundes getreten wäre, hätte der Weltkrieg vermieden werden können, und so können wir auch jetzt erst dann auf einen dauernden Frieden in Europa hoffen, wenn England und Deutschland sich die Hand zur Versöhnung reichen. Die geheimen Kräfte die zum Weltkriege führten, waren die französische Revancheidee, die englisch-deutsche Rivalität zur See und der russische Panslavismus. Hat der Krieg Frankreich, England und Rußland die Erfüllung ihrer Ziele gebracht? Frankreich hat zwar Elsaß-Lothringen gewonnen, aber um welchen Preis? Es ist heute vielleicht moralisch gestärkt, aber was seine Volks- und Wirtschaftskraft anbelangt, steht es heute weit ungütstiger da als vor dem Kriege. England hat zwar einen Konkurrenten im Welthandel aus der Welt geschafft, es hat sich aber in Amerika einen noch weit gefährlicheren geschaffen, und zwar nicht nur einen Konkurrenten auf finanziellem und wirtschaftlichem Gebiet, nicht nur einen Konkurrenten auf dem Weltmeere, sondern auch einen Konkurrenten des Geistes. der die Bande der wichtigsten englischen Kolonien gegenüber dem Mutterlande zu lockern droht. Die Weltherrschaft der anglo-amerikanischen Rasse, die der große Afrikaner Cecil Rhodes einmal als Ideal seiner Träume hingestellt hat, ist zur Tatsache, ist Wahrheit geworden, aber von der Einigkeit der beiden großen Gruppen dieser Rasse, davon sind wir heute weiter entfernt als jemals.

Der russische Panslavismus ist zerschellt. Rußland ist, wie Kenner des Landes behaupten, um mehr als ein Jahrhundert zurückgeworfen, es ist in seine Teile zerfallen, innere Kämpfe zerfleischen das Land, die Schaffenskraft ist gelähmt, die Verkehrswege gestört und es gibt in Rußland heute Gebiete, die in vollständiger Abgeschlossenheit leben und sich nicht mehr darum kümmern und auch nicht wissen, was sonst in der Welt geschieht.

Die Londoner Konferenz ist gescheitert und wir stehen vor unbegrenzten Möglichkeiten neuer blutiger Konflikte und neuer Leiden für das schwergeprüfte deutsche Volk. Und welche Rolle spielt in diesem Europa die Èechoslovakei? Der Pariser »Temps« brachte vor kurzem die Nachricht, daß beim französischen Außenministerium zur Förderung und Entwicklung der französischen Expansion ein spezielles Sekretariat errichtet werden soll. Nach den Reiseerfolgen des Herrn Ministers Dr. Beneš sind wir fast versucht, ihn als Exponenten dieses Sekretariates zubetrachten; denn auch die èechoslovakische Außenpolitik beugt sich widerstandslos dem Pariser Diktat. Das erste Erzeugnis dieser Politik war der französisch-èechische Handelsvertrag, der dem hohen Hause allerdings noch nicht vorliegt, aber ich habe in Teile desselben Einblick genommen und kann den Herren versichern, die französischen Parfum- und Autofabrikanten und französischen Weinbergbesitzer können allerdings mit diesem Vertrag zufrieden sein, aber für den Großteil unserer Industrie und unseres Handels ist er im höchsten Maße gefährlich.

Der aus Rache und Angst entstandene französische Imperialismus, der nichts anderes als die Verhinderung der Wiedererstarkung Deutschlands vor Augen hat, bedeutet für die Èechoslovakische Republik eine große Gefahr, denn er zwingt den kleinen auf ein freundschaftliches Verhältnis mit seinen Nachbarstaaten angewiesenen Binnenstaat in ein politisches System der Gewalt, dessen Ende nur der Zusammenbruch sein kann. Die blinde Gefolgschaft, die dieser Staat der französischen Außenpolitik leistet, muß unser Wirtschaftsleben nachteilig beeinflußen, da sie unsere wichtigsten Einfuhrwege stört und unsere wichtigsten Absatzgebiete entfremdet. Denn wie immer man sich bemühen mag, in diesem Staate die französischen Sitten nachzuahmen, wie immer man sich auch in der westlichen Gesellschaft sonst, die durch die geographische Gestaltung der Erde gegebene Tatsache, daß der Kern dieses Staates zum nördlichen und nordöstlichen Wirtschaftsgebiete Europas gehört, ist nicht aus der Welt zu schaffen. Und sohließlich bedeutet es einen politischen Wahnsinn für diesen Staat, wenn er sioh auoh noch sonst an den französischen Milliardenforderungen beteiligt, wie wir deutlich gehört haben, als 80 Millionen. welches das èechische und slovakische Volk in weitem Bogen umschließt, sich zum dauernden Todfeind macht.

Die Pariser Zeitung »La Victoire« bezeichnete die letzte Rede Lloyd Georges als Hieb mit der Hundspeitsche. Wir Sudetendeutsche. weisen eine derartige Schreibund Redeweise ebenso wie die Gesinnung, der sie entspringt, mit Empörung zurück. (Potlesk na levici. ) Wir können nicht dulden, daß mit der Hundspeitsche nach unserem Stammesgenossen geschlagen wird und wir werden nicht einen Finger für eine Politik rühren, die wir aus wirtschaftlichen, nationalen und sittlichen Gründen verdammen. (Potlesk nìm. senátorù. )

Meine Damen und Herren! Ich bin am Ende meiner Ausführungen angelangt. Wenn ich in dem Gesagten die politischen und wirtschaftlichen Gefahren, die der Èechoslovakischen Republik aus der französischen Gefolgschaft drohen, hervorhob, so habe ich etwas getan, was die Herren von der èechischen Seite immer von uns verlangen: Ich habe mich auf den Boden dieses Staates gestellt. Ja, wir Deutsche stehen auf dem Boden dieses Staates, aber ebenso wie ein seiner Freiheit beraubter Vogel auf dem Boden seines Käfigs steh t. Aber hundert- und tausendmal tiefer als in diesem Boden wurzeln wir mit allen Fasern unseres Daseins in dem großen deutschen Volk. (Potlesk na levicí. ) Meine Damen und Herren! Wer sich in diesem hohen Hause deutsch nennt, wird daher die Antwort des Herrn Ministers des Äußern nicht zur Kenntnis nehmen. Wir müssen eine unsere wirtschaftlichen, nationalen und unsere Rechtsgefühle verletzende Politik ablehnen. (Dlouhotrvajíci potlesk na levici. )