Ein Fachmann ersten Ranges, Dr. Wilhelm Winkler, Mitglied der Statistischen Zentralkommission in Wien, hat das èechoslovakische Volkszählungsgesetz und die dazu erlassene Durchführungsverordnung in der "Neuen Freien Presse" einer ruhigen, objektiven Kritik unterzogen und kommt zu folgendem Resultat: "Man muß den hochwogenden Leidenschaften, für welche die letzten Vorkommnisse Zeugen waren, und der noch nicht verrauschten Siegesbegeisterung der Èechen Rechnung tragen, wenn man sich ein Bild von der vollen Auswirkung dieser Bestimmungen machen will. Hierzu bietet das Volkszählungsgesetz und die Durchführungsverordnung mit ihren Lücken und Ungewißheiten eine vorzügliche Handhabe. Es ist das keine gesetzgeberische Stümperei, sondern es ist im Gegenteil ein gesetzgeberisches Meisterwerk von bewunderungswertem Scharfsinn, ein brillant geschliffener Dolch, ein fein gewundene Drosselschnur, ein genial gemischtes Gift, geeignet an einem Tage Hunderttausende von Volkszugehörigen spurlos verschwinden zu lassen." Dabei verrät die "Národní Politika" vom 20. Feber, daß die Regierung ursprünglich "gerechtere" Bestimmungen geplant gehabt hätte, aber leider zugunsten der Deutschen von denselben zurückgetreten sei."

Auch der Deutsche parlamentarische Verband hat rechtzeitig die Gefahr, welche von "diesem brillant geschliffenen Dolche" für die Deutschen in diesem Staate drohte, erkannt und sowohl mündlich wie schriftlich der Regierung und den èechischen parlamentarischen Parteien seine wohlbegründeten Beschwerden und Anträge in einer Denkschrift vom 11. Feber 1921 vorgetragen. Es wurde darin namentlich verlangt, die Zählung durch Doppelkommissäre vornehmen zu lassen, von denen in den Sudetenländern je einer ein Èeche, der andere ein Deutscher sein mußte, sodaß eine gegenseitige Kontrolle ermöglicht sei. Dadurch sei von vornherein jede Art von Unzukömmlichkeiten und Gesetzwidrigkeiten, insbesondere von nationaler Beeinflussung, ausgeschlossen. Weiters wurde darauf hingewiesen, daß das Statistische Zentralamt, in welchem die Endergebnisse der Volkszählung festzusetzen und zu bearbeiten sind, fast ausschließlich mit èechischer Beamten bestellt ist, deren Gebahrung sich dem Einblick der deutschen Öffentlichkeit entzieht. Deshalb sei es notwendig daß in dieses hochwichtige Amt auch eine grössere Anzahl von deutschen Beamten entsendet werde. Überhaupt müsse es den nichtèechischen Bewohnern der Republik freistehen, ihre eigenen Vertrauensmänner zu entsenden, welche in das Zählungsgeschäft in allen seinen Phasen Einblick zu nehmen das Recht hätten. Dieselben Wünsche und Forderungen wurden auch in der Obmännerkonferenz des Senats an den Herrn Ministerpräsidenten von den dort anwesenden deutschen Senatoren mündlich in längerer Debatte gestellt.

Bei einer wirklich objektiv und gerecht denkenden Regierung hätte es dieser wiederholten Interventionen und Interpellationen gar nicht erst bedurft. Eine Regierung, die sich in ihrer ersten vor den beiden Häusern des Parlaments abgegebenen programmatorischen Erklärung als "Regierung des Gesetzes und der Rechtsordnung" vorstellte, hätte es auch bei Gelegenheit der Volkszählung als ihre oberste und erste Pflicht betrachtet, jenen Weg zu beschreiten, der am ehesten und sichersten eine möglichst unparteiische und objektiv gerechte Durchführung des Volkszählungsgeschäftes garantierte. Und das wäre unstreitig die Aufstellung von Doppelkommissären verschiedener Nationalität gewesen. Aber der Herr Ministerpräsident sträubte sich beharrlich, diese unsere gerechte Forderung zu erfüllen und zog sich auf die Ausrede zurück, es sei zu einer solchen Maßnahme zu spät: Aber wenn es hiezu zu spät war, was wir deutschen Volksvertreter nicht zugeben konnten, warum ist denn die Regierung, falls ihr wirklich daran gelegen war, die Volkszählung in Ruhe und Ordnung und völlig unparteiisch durchführen zu lassen, nicht von allem Anfang an von selbst auf den Gedanken gekommen, Doppelkommissäre verschiedener Nationalität aufzustellen?

Die Regierung hat es uns Deutschen auch in diesem Falle wieder unmöglich gemacht, ihren guten Willen, bei der Volkszählung völlig gerecht und unparteiisch vorzugehen, als erwiesen anzusehen.. Denn sie hat erstens die Vorbereitungen zur Volkszählung nicht den Gemeinden übergeben und damit sämtliche deutschen Gemeindevertretungen ausgeschaltet, sondern sie den Händen zum größten Teil fanatisch chauvinistischer èechischer Bezirkshauptmänner ausgeliefert; deren Unduldsamkeit und Deutschenhaß manchmal zum Himmel schreit. Ich erinnere zum Beispiel an die Bezirkspaschas von Trautenau und Mies, deren chauvinistische Heldentaten schon wiederholt Gegenstand unserer Interpellationen hier sein mußten. Wie sehr es der Regierung und deren Hinter- und Vordermännern schon bei der Vorbereitung der Volkszählung um Geltendmachung ihren nationalistischen Bestrebungen zu tun war, zeigt auch das Hinüberspielen dieser Gebiete auf das religiös konfessionelle Gebiet, in dem in der jeder Wohnungspartei übergebenen offiziellen Belehrung und Anleitung zur Ausfüllung des Zählbogens bei § 9 zu Spalte 10 in dem Satze: "Bei den Katholiken ist insbesondere anzuführen, ob sie römisch-, èechoslovakisch-, griechisch- oder altkatholisch sind", das Wort "èechoslovakisch" dicker und sperrgedruckt ist. Damit ist doch klar ausgesprochen, daß das ganze Volkszählungsgeschäft, wie in nationaler, so auch in religiöser Beziehung tendenziös gewissem dunklen und offen betriebenen Propagandabestrebungen Vorschub leisten sollte, abgesehen davon, daß es eine offenkundige, absichtliche Fälschung ist, von eiuer èechoslovakischen katholischen Kirche zu sprechen, da gesetzlich nicht eine èechoslovakisch-katholische, sondern eine èechoslovakische Kirche anerkannt ist. Wenn der Herr Ministerpräsident nachträglich gegen diese tendenziöse Propagierung der sogenannten èechoslovakisch-katholischen Nationalkirche einschritt, so tat er dies erst, wie mir berichtet wird, nachdem er von anderer Seite ob dieses unerhört parteiischen Vorgehens seitens eines staatlichen offiziellen Merkblattes zur Rede gestellt worden war. Aber gerade das nachträgliche Einschreiten des Ministerpräsidenten beleuchtet nichts mehr und nichts weniger als die Berechtigung der von uns erhobenen Anklage.

Die Regierung hat es zweitens geduldet; oder so angeordnet, wie die Bezirkshauptmänner von Hohenelbe und Zwittau ausdrücklich zu ihrer Entschuldigung anführten, daß in reindeutschen oder zum größten Teil deutschen Städten und Gemeinden, ausschließlich oder fast ausschließlich èechische Zählkommissäre aufgestellt wurden, die aufgrund der Durchführungsverordnung mit geradezu schrankenloser Kompetenz ausgerüstet sind. Wenn es ihnen zum Beispiel ansteht, unrichtige Beantwortungen betreffs der Nationalität selbstherrlich zu berichtigen, so ist ihnen damit ein Entscheidungsrecht eingeräumt, das ihnen als den untergeordnetsten Organen der Volkszählung keineswegs gebühren sollte. Dazu konnten manche der Zählkommissäre nicht einmal deutsch lesen oder deutsch schreiben; wie sich zum Beispiel der Zählkommissär Koudelka in Proschwitz vor Zeugen noch ausdrücklich gerühmt hat. In Znaim z. B. hat man für 26 Zählsprengel keinen einzigen Deutschen ausfindig machen können und diese Aufstellung von ausschließlich èechischen Zählkommissären wurde geduldet, obwohl es in einem amtlichen Erlaß vom 23. Dezember 1920 heißt, daß für die Funktionen der Zählkommissäre und -Revisoren nur solche in Betracht kommen können, welche das Vertrauen der Bevölkerung ohne Unterschied der Nationalität genießen und die Gewähr für ein gerechtes Vorgehen bieten. Trotzdem haben die politischen Behörden Verlautbarungen herausgegeben, in denen ausdrücklich gesagt wird: "Bei den Vorschlägen ist vor allem, auf volljährige Beamte èechischer Nationalität Rücksicht zu nehmen." über diese sonderbaren Verfügungen zur Pede Gestellt, erklärten die betreffenden Behörden, daß der Erlaß auf Anordnung der politischen Landesverwaltung geschehen sei. Trotzdem die deutsche Bevölkerung in Tausenden von Eingaben sich immer und immer wieder über die Parteilichkeit der èechischen Beamten zu beklagen hatte, bringt die Regierung den Mut auf, die Bevorzugung èechischer Beamten bei der Durchführung der Volkszählung direkt anzuordnen und andererseits wieder zu erklären, daß als Zählkommissäre und -Revisoren nur solche Personen in Betracht kommen können, welche das Vertrauen der Bevölkerung ohne Unterschied der Nationalität genießen. Muß einem da nicht das bekannte geflügelte Wort einfallen: "Erkläret mir, Graf Örindur, diesen Zwiespalt der Natur"?

Und den wenigen deutschen Zählkommissären hat man, wie zum Beispiel im Trautenauer Bezirke, noch èechische Hilfskommissäre beigestellt. Warum nicht auch umgekehrt? Der Deutsche parlamentarische Verband hat in seiner Denkschrift vom 11. Feber durch Vorlage eines mehr als reichaltigen Tatsachenmaterials die Regierung auf diesen Übelstand aufmerksam gemacht, wir deutsche Senatoren haben in der Obmännerkonferenz die nämlichen Klagen wiederholt. Und was ist zur Behebung geschehen? Nichts. Die Regierung hat der Vergewaltigung der deutschen Bevölkerung durch èechische Zählkommissäre freien Lauf gelassen. Und da hat der Herr Ministerpräsident gewagt, uns deutschen Senatoren gegenüber zu betonen; der Regierung sei es einzig und allein um ein wahrheitsgetreues Resultat zu tun.

Die Regierung hat es drittens zugelassen, daß in zahlreichen deutschen Bezirken, die Zählung in höchst unnützer Weise durch Aufnahmsbogen zu erfolgen habe, deren Ausfüllung dann in den Händen des betreffenden Zählkommissärs gelegen ist. Nicht genug, daß dadurch die betreffenden deutschen Gemeinden und Bezirke vor aller Welt zu kulturell minderwertigen Analphabeten degradiert worden sind, ist aufgrund des Aufnahmsverfahrens der Beinflußung, Willkür und Vergewaltigung seitens des èechischen Zählkommissärs erst recht Tür und Tor geöffnet worden. So wurde vermittels Aufnahmsbogens gezählt in den ganzen politischen Bezirken Prachatitz und Graslitz und in vielen deutschen Gemeinden der Bezirke Asch, Braunau, Tetschen, Dauba, Deutsch-Brod, Königinhof, Münchengrätz, Eger, Deutsch-Gabel, St. Joachimsthal, Kralowitz, Jägerndorf. In Olmütz z. B. waren von 72 Zählkommissären nur acht Deutsche, unter den Revisoren ein einziger Deutscher. Wie kommt die Regierung dazu, eine so zahlreiche intelligente Bevölkerung mit dem üppigen Analphabetentum der östlichen Landesteile zu verwechseln und auf gleiche Stufe zu stellen? Wie stimmt ein solches Verfahren wieder überein mit der Erklärung des Ministerpräsidenten, die Regierung habe nur in vereinzelten Fällen die Zählung mittels Aufnahmsbögen angeordnet? Hat der Herr Ministerpräsident Kenntnis davon, daß manche dieser Zählkommissäre, wie zum Beispiel in Tetschen, mittelst gewöhnlichen Bleistiftes ihre Eintragungen machten, Ich will keine Folgerungen ziehen aus diesen Bleistiftaufzeichnungen.

Das Landesverteidigungsministerium hat kurz vor der Volkszählung èechisches Militär speziell in das deutsche Siedlungsgebiet dirigiert, selbstverständlich nicht, wie der Herr Landesverteidigungsminister versicherte, um irgendwie die Volkszählungsergebnise zu beeinflußen, sondern um der gerade im jetzigen Augenblick und speziell in deutschem Sprachgebiete notwendig gewordenen Manöver, Skiekurse, Telefonkurse u. s. w. willen. Aber wir Deutschen denken nur allzu an jene Wahlbataillone, die zur Zeit der Gemeindewahlen zu Wahlzwecken scharenweise in deutsche Gemeinden abkommandiert wurden, um entweder das Vorhandensein einer èechischen Majorität vorzutäuschen oder ihre wirkliche Ziffer aufzubauschen, was damals als ein europäischer Skandal sondergleichen auch im Auslande empfunden wurde. Kein Wunder also, daß angesichts solcher Vorbereitungen, die teils auf direkte Anordnung, teils auf der Duldung der Regierung beruhen, die praktische Durchführung der Volkszählung von widerrechtlicher, ungesetzlicher Beeinflußung, von Willkürakten und Vergewaltigungen der deutschen Bevölkerung seitens der èechischen Zählkommissäre zum Teile unter Mitwirkung von Gendarmerie förmlich strotzte. Das uns zur Kenntnis gebrachte Tatsachenmaterial ist so zahlreich und haarsträubend, daß wir stunden-, ja tagelang hier darüber reden könnten, ohne es zu erschöpfen. Und wieviele andere derartige Fälle mögen nicht zu unserer Kenntnis gelangt sein, sei es wegen der Schwerfälligkeit der betroffenen Personen oder weil sie sich dem Einflusse des èechischen Terrors leider fügten.

Die "Národní Listy" haben in ihrer Ausgabe vom 18. Feber 1. J. Nr. 48 den Deutschen Parlamentarischen Verband verhöhnt und ihm zum Vorwurfe gemacht, daß er in seinem Aufrufe keinen einzigen Fall angeführt habe, um auch praktisch zu beweisen, daß den Deutschen bei der Volkszählung irgendein Unrecht geschehen sei. per Deutsche parlamentarische Verband hat die Vorführung von weiterem Tatsachenmaterial einfach deshalb unterlassen, weil er in seinem ersten Aufrufe bereits 33 Fälle von Übergriffen und Willkürakten angegeben hatte und weil ja schon alle deutschen Zeitungen damit reichlichst vollgepfropft waren.

Damit man einen derartigen Vorwurf nicht auch gegen mich erhebe, alsob ich bloß flunkere, sei es mir gestattet, zur Illustrierung meiner bisherigen Ausführungen einige wenige Übergriffe und Willkürakte aus der Praxis der Zählungskommissäre dem hohen Hause und der Regierung zur amtlichen Untersuchung zur Kenntnis zu bringen. Es ist selbstverständlich, daß ich bei der Auswahl der Fälle vor allem Rücksicht nehme auf meinen Wahlkreis Prag. Doch kann ich es mir nicht versagen, auch auf einige typische Fälle aus der weiteren Provinz aufmerksam zu machen.

In Saaz zum Beispiel kam zu der Kriegswitwe Melanie Krejèi, Mühlenviertel, im Hause des Bäckermeisters Heinrich Havranek Nr. 683 ein èechischer Zählkommissär, der, als er den èechischen Namen der deutschen Frau las, sie ermahnte, sich als Èechin zu bekennen und ihre beiden Kinder in die èechische Schule zu schicken. Als Frau Krejèi erwiderte, daß sie eine Deutsche sei und ihre Kinder gar nicht èechisch könnten, ließ er dies nicht gelten, strich in dem Zählbogen das Wort "deutsch" durch und schrieb an dessen Stelle das Wort "èechisch". Die Frau protestierte energisch gegen diese unerhörte Willkür, doch es nützte nichts. Mit der nochmaligen Mahnung, die Frau möge doch ja ihre Kinder in die èechische Schule schicken, die rechen seien jetzt an der Herrschaft, verließ der Zählkommissär die Wohnung. Bei einer zweiten Partei im nämlichen Hause; einer Büglerin, versuchte der famose Zählkommissär dasselbe Manöver, aber ohne Erfolg. In Lewanitz bei Saaz hatte der Taglöhner Josef Brettschneider sich selbst und seine vier minderjährigen Kinder als deutsch, seine Frau als èechisch eingetragen, dies alles irn Einvernehmen mit der Frau. Der Zählkommissär Chalupsky, Bahnrevident in Lischan, strich jedoch trotz des Widerspruches der Eltern die Bezeichnung "deutsch" bei den vier minderjährigen Kindern und trug sie als "èechisch" ein. Ebenso verwandelte der nämliche Zählkommissär das Dienstmädchen Emilie Schmiedl in Lewanitz auf dem Zählbogen gegen deren Willen aus einer Deutschen in eine Èechin um. Dies alles ist zu lesen im "Saazer Anzeiger" vom 18. Feber.

Bekanntlich wurden die deutschen Vorsteher verschiedener Gemeinden aufgrund eines Erlasses des Ministeriums des Innern zu hohen Geldstrafen und zu Haft verurteilt, weil sie Privatvolkszählungen veranstalten hatten; so die Bürgermeister von Mähr.-Schönberg, von Schumburg in Nordmähren, von Tremenitz, von Mähr.-Sternberg; von Mähr.-Neustadt u. s. w. Im Gegensatze zu dieser strengen und raschen Verurteilung deutscher Gemeindevorsteher rühmen sich èechische Blätter wie die "Národní Politika", "Èeský Denník" sogar, daß in Hohenelbe, in Mähr.-Schönberg, in Solislau und Sytna auch von èechischer Seite derartige Privatzählungen geschahen. Von einer Bestrafung dieser èehischen Kreise hat man aber bisher nichts gehört oder gelesen.

In der èechischen Gemeinde Jesowei, Bezirk Weißwasser, leistete sich der èechische Zählkommissär den ungesetzlichen Übergriff, daß er sämtliche deutsch ausgefüllte Zählbogen, und das waren alle bis auf einen, zurückwies und eigenmächtig èechisch ausfüllte. Desgleichen berichtet die "Duxer Zeitung" vom 25. Feber, daß in Postelberg der Zählkommissär Hájek einer armen Kriegswitwe, die auf eine kärgliche staatlich Unterstützung und eine Trafik angewiesen ist, im nicht mißzuverstehender Weise andeutete, daß für sie schlimme Folgen erwachsen könnten, wenn sie nicht sich und ihre Kinder zur èechischen Nation bekennen und letztere nicht in die èechische Schule schicken würde. Dabei ging dieser Gefühlsmensch in seinen zarten Andeutungen soweit, daß schließlich das gequälte Weib ohnmächtig zusammenbrach und von schweren Krämpfen befallen wurde.

Überhaupt wurde in ungezählten Fällen Personen in abhängigen Berufen gedroht, daß sie ihre. Stellung einbüßen, wenn sie sich nicht zur èechischen Nation bekennen, ja sogar, wenn sie nicht das bereits eingetragene Bekenntnis der Nationalität ändern würden. Auch haben Zählkommissäre eigenmächtig die Eintragung der Nationalität durchgestrichen und èechisch eingesetzt, ohne die Zustimmung der betreffenden Person, Verbrechen, die einerseits als Erpressung, anderseits als Amtsmißbrauch zu qualifizieren sind. Dein im § 20 der Durchführungsverordnung heißt es ausdrücklich, daß der Zählkommissär eine Änderung bezüglich der Nationalität bloß mit Einwilligung der betreffenden Person durchführen darf und dazu deren Unterschrift erhalten muß.

In Zwittau trieben die èehischen Zählkommissäre es mit ihren Eigenmächtigkeiten und Drohungen sogar so arg, daß der dortige Bezirkshauptmann Dr. Hovùrka sich genötigt sah, gegen sie einzuschreiten. Nicht minder empörend und rechtswidrig muß das Vorgehen der èechischen Zählkommissäre in der überwiegend deutschen Gemeinde Ketzelsdorf im Bezirke Königinhof gewesen sein, wie eine hier im Hause eingebrachte Interpelation der Senatoren Kiesewetter und Genossen eingehend dartut. Die Kommissäre maßten sich an, den Ort militärisch besetzen und verschiedene Verhaftungen vornehmen zu lassen. (Hört! Hört!)

In fast sämtlichen Gemeinden des Bezirkes Mähr. Neustadt, desgleichen m vielen Orten des Mieser Bezirkes, erschien einige Tage vor der Volkszählung Gendarmerie, in Groß-Mohrau ein bei der Grenzwachabteilung angestellter èechischer Legionär bei allen Personen, die einen èechischen Namen führen oder deren Eltern und Vorfahren aus èechischen Gegenden stammen, leitete daraus die Zugehörigkeit der betreffenden Personen zur èechischen Nationalität ab, forderte sie auf, sich als rechen zu bekennen und trug sie in eine Liste ein. Gegenüber solchen Leuten mit èechischklingenden Namen wurde bei der Volkszählung selbst sogar unter Anwendung von Gewalt vorgegangen unter Beiziehung von Gendarmerie, so zum Beispiel' in Oberrokitei, Niederrokitei und Niedergruppei. Um einen gewissen Semerad in Pohrlitz zur èechischen Nation zu bekehren, erschien sogar Gendarmerie mit aufgepflanztem Gewehre. In Widach schrieb der Revisor èechische Frauen deutscher Männer, welche sich freiwillig. als Deutsche eingetragen hatten, auf die èechische Nationalität um, dagegen umgekehrt deutsche Frauen èechischer Männer nicht, wenn sie sich als èechisch bekannt hatten. Und nicht nur vor, bei, sondern auch jetzt noch nach der Volkszählung werden solche verdammungswerte Èechisierungspraktiken reichlichst geübt. Die polit. Bezirksverwaltung Podersam versandte nach der Volkszählung an alle Bewohner des fast reindeutschen Bezirkes Podersam, die einen èechischlklingenden Namen tragen oder aus einer èechischen Gegend stammen, folgende Vorladung: "Herr beziehungsweise Frau X. hat am..... März 1921 um..... Uhr behufs Einvernahme wegen unrichtiger Angabe der Nationalität bei der Volkszählung vor dem gefertigten Amte persönlich zu erscheinen und diese Vorladung mitzubringen. Politische Bezirksverwaltung Podersam. Für den Bezirkshauptmann in Vertretung Dr. Maran". Diese Vorladungen ergingen an ungefähr 500 Personen im Bezirke Podersam. Wie viele Bezirkshauptmänner werden in anderen Bezirken aus lauter Diensteifer den gleichen Erlaß herausgegeben haben? Also, noch nachträglich soll das Volkszählungsergebnis amtlich verbessert, eigentlich verbösert werden! Hat man aber gehört oder gelesen; daß irgendwo seitens eines Zählkommissärs, eines Revisors oder eines Bezirkshauptmannes einer Person, die einen deutschen Namen trägt, aus deutschen Gegenden stammt, oder einen Deutschen zum Vorfahren hat, zugemutet wurde, sich unbedingt als deutsch zu bekennen, wenn sie sich als èechisch eingetragen hatte? Können Sie mir einen solchen Fall angeben?

Aus allen Teilen des Reiches sind zahlreiche Fälle bekannt, daß die Zählkommissäre deutsch ausgefüllte Zählungsbogen nicht entgegennahmen, die betreffende Partei vorladen ließen, ja in manchen Fällen lieber überhaupt auf die Durchführung der Zählung verzichteten, obwohl der Herr Ministerpräsident ausdrücklich erklärt hatte, daß die Ausfüllung der Zählbogen in deutscher Sprache zulässig und giltig sei. Selbstverständlich waren darum die Zählkommissäre auch verpflichtet, solch deutsch aus gefüllte Zählungsbogen entgegenzunehmen. Denn wie kann man vernünftigerweise verlangen, daß eine Partei einen böhmisch ausgefüllten Zählbogen unterschreibt, wenn sie ihn nicht versteht, zumal unrichtige Angaben unter Strafsanktion standen?

Auch hier in Großprag wurden ungezählte Fälle derartiger übergriffe seitens der Zählkommissáre gemeldet. Freitag, den 18. Februar um 9 Uhr vormittags kam zum Pedell Frank der philosophischen Fakultät der deutschen Universität der Zählkommissär Václav Stradist und weigerte sich zuerst, von der Frau des Pedell, sodann von dem herbeigerufenen Pedell selbst den deutsch ausgefüllten Zählbogen entgegenzunehmen. Da der Pedell das Begehren ablehnte, einen von dem Kommissär èechisch auszufüllenden Bogen zu unterschreiben, ging der Kommissär weg, ohne einen Zählbogen überhaupt mit zunehmen, unter dem Vorgeben, vom Bürgermeister Dr. Baxa beauftragt zu sein, keine deutsch ausgefüllten Bogen anzunehmen. Doch besann er sich später eines anderen und als er um 11 Uhr wieder erschien, gab er sich mit dem deutsch ausgefüllten Bogen zufrieden. Von einer Witwe in Weinberge, Divišgasse 6, deren Tochter an der Universität angestellt ist, die sowohl nach ihren Eltern, wie nach ihrem Mann einen rein deutschen Namen trägt, verlangte der Zählkommissär, daß sie sich als Èechin eintrage, weil sie gut èechisch sprechen könne und aus Raudnitz stamme, das eine èechische Stadt sei. Als sie sich weigerte, drohte er, sie auf das Kommissariat zu laden. Arg trieb es ein Zählkommisär Horáèek, seinem Berufe nach Bausekretär der Stadt Prag, der die Listen in einem Rayon auf dem Hradèin einsammelte. Er strich eigenmächtig, ohne auf den Protest der deutschen Partein zu hören, die deutschen Eintragungen und füllte die Zählbogen rein èechisch aus, wobei er sich auf einen Auftrag des, Ministeriums des Innern berief. Auf eine Anfrage, welcher Ministerialrat im Ministerium ihn diesen Auftrag erteilt hätte, erwiderte Horáèek:; "Das geht Sie gar nichts an."

In einer Wohnung in Weinberge beanständet der Zählkommissär zunächst, daß eine Gouvernante sich deutsch eingetragen hatte, obwohl sie einen èechisch klingenden Namen trug. Desgleichen machte er einer Krankenschwester aus Wien, welche zur Pflege der Schwerkranken Frau des Hauses seit einiger Zeit anwesend war, den Vorwurf, daß sie nur deshalb da sei, um das Ergebnis der Volkszählung zu beeinflussen. Schließlich beanständete der fanatische Kommissär, daß sich die Mitglieder der Familie, obwohl sie sich als Angehörige der israelitischen: Konfession bezeichneten, als Deutsche und nicht als Juden eingetragen hatten. Ja, um Gotteswillen, wurde denn die Volkszählung auch deshalb vorgenommen, um durch die Volkskommissäre Proselyten für die jüdisch-nationale Bewegung zu machen? Weiter konnte der Deutschenhaß dieser staatlich angestellten Organe sich nicht verwagen. Und da wollen Sie noch leugnen, daß die Zähllkommissäre im Dienste einer chauvinistischen, verhetzenden Nationalpolitik standen? Wie Professor Dr. Kafka bereits im Abgeordnetenhause ausführte, hat ein Kommissär einem Stubenmädchen, das sich zur deutschen Nationalität bekannte und trotz des Einspruches des Kommissärs darauf bestand, erklärt, er müsse mit ihr besonders verhandeln, in der Familie könne er dies nicht tun, sie solle daher zu ihm in die Wohnung kommen. Jedenfalls war diese Einladung mindestens gesetzwidrig. Im Hause, Prag VII, Ovenecká 7, hat ein Zählkommissär, dazu noch ein Professor, unter Berufung auf die behördliche Weisung sich geweigert, bei drei Parteien deutsch ausgefüllte Zählbogen anzunehmen und begann ohne weiters ein mitgebrachtes èechisches Formular auszufüllen: Bei zwei Parteien gelang ihm dieses Manöver und die Unterschrift zu erreichen, bei der dritten Partei nicht, wofür er in das èechisch ausgefüllte Formular die Bemerkung schrieb: "Verweigert die Unterschrift" und es mitnahm. Eine Frau Anna Arlt, Balbingasse 13, zeigte an, daß des Zählkommissär ihr heftige Vorwürfe machte, daß sie, trotzdem sie schon 20 Jahre in Prag wohne, die Nationalität noch als deutsch angebe. Desgleichen beanständete er die Eintragung der römischkatolischen Religionszugehörigkeit. Den Herren Adolf Siebeneicher und Ludwig Pückel in Prag VII, Vinaøská 38, machte die Zählungskommission Vorwürfe, daß sie èechisches Brot essen und sich dennoch zur deutschen Nation bekennen. Bei Frau Weber, Smichow, Presselgasse 28, wohnt der Hochschüler Josef Hoffmann. Der Zählkommissär, der am 21. Februar in der Wohnung erschien, strich trotz des Protestes der Wohnungsinhaberin in Abwesenheit des Hoffmann dessen Namen, bzw. die gesamte Eintragung Hoffmann aus dem Bogen. Bei Herrn Dr. Roubitschek, Prag I, Jakobsgasse 1, weigerte sich der Zählkommissär Vrátil, den doppelsprachigen und deutsch ausgefüllten Bogen anzunehmen und verlangte, daß das Dienstmädchen, eine Èechin, an Stelle des Hausherrn den Bogen èechisch ausfülle. Als der Hausherr dagegen pro testierte, gab ihm der Kommissär eine Vorladung vor das Kommissariat. Bei Frau Landsmann., Weinberge, Sladkovskýgasse 8, befindet sich ihre Tochter, Frau Dr. Popper aus Hamburg, zu Besuch. Der Zählkommissär lud die Dame auf das Kommissariat, woselbst sie in gröblichster Weise beschimpft und ihr der Vorwurf gemacht wurde, sie sei nur nach Prag gekommen, um die èechische Sache bei der Volkszählung zu schädigen. Das Dienstmädchen Paula Balasz in Bubeneè, Ovenecká 30, wurde aufgrund ihrer eigenen Angaben von ihrem Dienstgeber als magyarisch eingetragen. Der Zählkommissär nahm am 16. Februar Einsicht in ihr magyarisches Dienstbotenbuch und v erlangte schließlich unter vier Augen mit dem Dienstmädchen zu sprechen, wo bei es ihm durch Drohung gelang, für die Hinderung von "magyarisch" in "slowakisch" ihre Unterschrift zu erhalten. Auch in die deutsche Nationalität der Frau des Hauses setzte er Zweifel, obwohl ihr Vater und ihre Mutter Deutsche waren, weil sie geläufig èechisch sprach.

Und angesichts dieser zahlreichen Einschüchterungsversuche, Vergewaltigungen und Übergriffe seitens der èechischen Zählkommissäre, unter deren Terror fast jede zweite deutsche Familie in Prag zu leiden hatte,. wagte das von der Regierung unterhaltene "Prager Abendblatt" uns Deutsche wegen unserer notwendigen Abwehrversuche auch noch zu verhöhnen, indem es unmittelbar nach der Durchführung der Volkszählung schrieb: "Wir hörten einige erregte Redensarten von Vergewaltigung und Drosselung, von Tyrannei und Unterdrückung, und sogar der Friedensvertrag von Versailles hat herhalten müssen, darnit es sich noch schließlich zeige, daß wiedereinmal ein wenig Theater gespielt W erde." So schrieb das "Prager Abendblatt".

Alls die Fälle, daß deutschgeschriebene Zählbogen nicht angenommen wurden, sich mehrten, ja sogar zu unserer Kenntnis gelangte, daß bereits angenommene Zählbogen, weil sie deutsch ausgefüllt waren, wieder den Parteien zurückgeschickt wurden, haben wir deutschen Senatoren in der Obmännerkonferenz den Herrn Ministerpräsidenten interpelliert, ob er nicht geneigt sei, diesem gesetzwidrigen. Vorgeben in der Weise zu steuern, daß die Regierung nachträglich den Zählkommissären ihre Pflicht einschärft, deutschausgefüllte Zählbogen entgegenzunehmen. Es sei umsomehr Pflicht dier Regierung, als manche Zählkommissäre sich für ihr gesetzwidriges Verhalten auf einen angeblichen Auftrag des Ministers berufen. Der Ministerpräsident lehnte diese Anregung ab und erklärte, die Instruktionen seien klar und es sei unzulässig, nachträglich neue Instruktionen herauszugeben. Wenn nun ungeachtet dieser vom Herrn Ministerpräsidenten als völlig klar gepriesenen Instruktionen so zahlreiche Übergriffe und Ungesetzlichkeiten seitens der Zählkommissäre vorkommen, so bleibt nur die doppelte Möglichkeit übrig; entweder daß die Zählkommissäre trotzdem diese klaren Instruktionen nicht zu verstehen fähig waren oder daß böser Wille gegen uns Deutsche bei ihnen vorlag.

Sie wissen alle, meine Damen und Herren, daß die ungezählten Übergriffe und Vergewaltigungen, die bei der Volkszählung vorkamen und von denen ich bloß eine kleine Auslese vorzuführen mir gestattete, maßlose Erregung innerhalb der deutschen Bevölkerung dieses Staates hervorgerufen haben.

Wir berufenen Vertreter des deutschen Volkes können und dürfen es nicht unterlassen, dieser Erregung hier an berufener Stätte in diesem hohen Hause Ausdruck zu verleihen und die ernstesten Beschwerden vorzubringen über diese neueste Bedrückung des deutschen Volkes, über diese offensichtliche Fälschung des deutschen Bevölkerungszensus in diesem Staate. Das gesamte Inland und Ausland soll also hören und davon Kenntnis nehmen, wie hierzulande sogenannte Volkszählungen inszeniert werden. Wir Deutschen werden nie und nimmer mit Rücksicht auf die unzähligen geschilderten Vorkommnisse das Resultat der Volkszählung vom 16. Februar anerkennen. Wir haben vielmehr ein Korrektiv in dem Ergebnis der im verflossenen Jahre durchgeführten Gemeindewahlen ünd der Wahlen in die Nationalversammlung.

Bekanntermaßen trägt das Wappen dieses Staates das Losungswort: "Veritas vincit - die Wahrheit siegt". Ich glaube mich keiner Unwahrheit, ja nicht einmal einer Übertreibung schuldig zu machen, wenn ich behaupte, daß wie bei so vielen anderen Gelegenheiten, so auch nicht bei der Volkszählung diese Parole, die Wahrheit und die Wahrhaftigkeit, Pate gestanden ist. Aber glauben Sie mir, es wird und muß der Tag kommen, an dem auch in diesem Staate nicht die verschleierte, sondern die volle und reine Wahrheit zum Durchbruche gelangen wird. (Souhlas a potlesk nìmeckých senátorù.)