Pøíloha

k tìsnopisecké zprávì o 123. schùzi senátu Národního shromá¾dìní republiky Èeskoslovenské

v Praze v pátek dne 4. prosince 1931.

1. Reè sen. Jokla.

Hohes Haus! In der letzten Sitzung dieses Hauses wurde der Beschluß gefaßt, die Debatte über die Vorfälle in Freiwaldau und über den Bericht des Herrn Ministers des Innern zu verbinden mit der Budgetdebatte. Ich sehe mich leider gezwungen, von diesem Beschlusse abzuweichen, denn es hat sich ein Vorfall ereignet, der es unbedingt notwendig macht, rechtzeitig die Gefahren, die daraus entstehen können, aufzuzeigen und jene verantwortlich zu machen, die Urheber dieses Vorfalles sind.

Morgen ist es eine Woche, daß die Opfer von Niederlindewiese zu Grabe getragen worden sind. Herzzerreißende Szenen haben sich an den beiden Grabstätten in Setzdorf und Niederlindewiese abgespielt, die Tränen, die von Tausenden vergossen worden sind, sind eine furchtbare Anklage gegen die Gewaltpolitik überhaupt, von welcher Seite immer sie kommen mag.

Nach und nach kommen auch die Lerichte der Augenzeugen der traurigen Vorfälle an die Öffentlichkeit und man kann feststellen, daß beide Erklärungen des Herrn Ministers des Innern nicht in allen Teilen den Tatsachen entsprechen. So nimmt der Bericht des Herrn Ministers des Innern keinen Bezug darauf, daß die Demonstranten schon in Setzdorf von der Gendarmerie maßlos geprügelt worden sind, was naturgemäß eine ungeheure Verbitteiting bei diesen hervorgerufen hat.

Augenzeugen haben ferner festgestellt, daß nach dem ersten Schuß, den die Gendarmerie abgegeben hat, sich die Demonstranten zur Flucht gewendet haben und daß ihnen nachgeschossen worden ist, daher auch die zahlreichen Fälle, wo die Verwundung von rückwärts erfolgt ist. Diese Tatsache beweist uns, daß die Gendarmerie das Ziel der Zerstreuung der Demonstranten erreicht hätte, auch wenn sie blinde Schüsse abgegeben hätte. Was wäre überhaupt geschehen, wenn die 250 bis 300 Versammelten - es waren keine Tausend, wie behauptet worden ist - nach Freiwaldau gekommen wären? Lärm, Geschrei, Reden wären wohl alles gewesen; während der letzten 20 bis 30 Jahre waren wiederholt große Demonstrationen, wo Tausende und Tausende versammelt gewesen sind, ohne daß sich der geringste Zwischenfall ereignet hätte, ohne daß irgendjemandem ein Haar gekrümmt worden wäre. Da möchte ich besonders eine Demonstration aus meiner Erinnerung aus dem Jahre 1919 Herausgreifen, eine typische Hungerdemonstration, wo die hungernden Massen zum Sanatorium nach Gräfenberg gezogen sind, ohne daß damals die Gendarmerie Ursache hatte, einzuschreiten. Daß schrecklichste, was allenfalls hätte passieren können, wenn man die Demonstranten durchgelassen hätte, wäre gewesen, daß in Freiwaldau ein paar Fensterscheiben hätten daranglauben müssen; und da müssen wir schon sagen: Fensterscheiben lassen sich einschneiden, aber Tote lassen sich nicht zum Leben erwecken. Das Menschenleben ist ein viel zu kostbares Gut, als daß es so mißachtet werden sollte. Der Autoritätswahn bat wieder einmal Orgien gefeiert. (Místopøedseda Trèka pøevzal pøedsednictví.)

Es ist nicht meine Absicht, hier die ganze Angelegenheit und die traurigen Ereignisse von Freiwaldau wieder aufzurollen. Ich möchte nur feststellen, daß indirekt auch die Veranstalter dieser Demonstration mitschuldig sind. Sie haben die Demonstration ja nicht gemacht, um den Arbeitern zu helfen, sondern aus Agitationsbedürfnis. Wieder einmal haben sie schuldlose Menschen, die Ihren Worten Glauben schenkten, vor die Bajonette der Gendarmen getrieben. Wir müssen feststellen, daß die Arrangeure dieser Demonstration skruppellos genug waren, Kinder in Lebensgefahr zu bringen, sie in die vordersten Reihen zu stellen, während sie sich selbst in Sicherheit gebracht haben. (Výkøiky sen. Kindla.) Abgeordneter Hadek hat im Abgeordnetenhause zugestanden, daß er sich hinter der Gendarmerie befunden und daß er keinen Versuch gemacht hat, das Unheil abzuwehren, damit er nicht verhaftet werde. Das ist nicht mehr Verantwortungslosigkeit, das ist Feigheit im äußersten Sinne des Wortes. (Potlesk.) Fest steht aber auch und darüber gibt es keinen Zweifel - die große Schuld der Gendarmerie, die vollständig den Kopft verloren hat, und die Schuld der Bürokratie, die wieder einmal ihre Unfähigkeit, den Staat oder Staatsteile zu verwalten, bewiesen hat.

Wie groß diese absolute Unfähigkeit der Bürokratiie ist, die ohne Anwendung brutaler Gewaltmittel nicht auszukommen glaubt, dafür liefert einen neuerlichen Beweis ein Erlaß des Leiters der Bezirksverwaltung von Freiwaldau, Rat Jakubovský, bei dem man sieh fragen muß, ob der Mann noch alle Sinne beisammen hat. Der Erlaß lautet: >Auf Grund des Art. III des Gesetzes vom 14. Juli 1927 Zl. 125, verbietet die Bezirksbehörde mit Genehmigung der Landesbehörde bis auf weiteres im öffentlichen Interesse jegliche Ansammlung und Zusammenrottung auf öffentlichen Plätzen, da solche Zusammenrottungen unter keinen Umständen geduldet werden. Die Bevölkerung wird vor jeglicher Beteiligung, sei es auch nur als Zuschauer, dringendst gewarnt. Die Bezirksbehörde macht darauf aufmerksam, daß, wer immer dieses Verbot trotz Warnung nicht berücksichtigt, die Folgen sich selbst zuzuschreiben hat und daß gegen diese Personen nach den geltenden gesetzlichen Vorschriften eingeschritten wird.<

Hier wird in ganz unverblümter Weise mit neuen Gewaltmitteln, mit neuen Schießereien gedroht. Der Ton des Erlas- ses, einem echten Bürokratenhirn entsprungen, gibt den Geist des Vormärz wieder, den Geist des Jahres 1854, wo die Reaktion die höchsten Strafen androhte, wenn 3 Personen ohne Bewilligung beisammenstanden. So stellen sich die Herren die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung vor. Der Erlaß ist nichts anderes als eine eigenmächtige Verhängung eines gemilderten Ausnahmszustandes über den Freiwaldauer Bezirk. Der Erlaß ist eine furchtbare Provokation der noch immer in berechtigter Aufregung befindlichen Freiwaldauer Bevölkerung. Aber nicht genug daran wird der Erlaß noch damit verschärft, daß eine ungemein große Masse von Gendarmerie im Bezirke, zusammengezogen wurde.

Unwillkürlich fragt sich jeder: Was ist denn nach der Katastrophe noch vorgefallen, was geht da vor, daß der Leiter der Bezirksverwaltung von Freiwaldau mit solchen Maßnahmen drohen zu müssen glaubt (Sen. dr Heller: Mit Zustimmung der Landesregierung!) - und das mit Zustimmung der Landesregierung? Hat nicht die Bevölkerung von Freiwaldau, von der Unglücksminute angefangen bis jetzt, bis heute, vollständige Ruhe bewahrt? Waren nicht beide Begräbnisse, in Setzdorf und Niederlindewiese, geradezu eine Dokumentierung der Diszipliniertheit der Bevölkerung dieses Bezirkes? Freilich, wenn es nach dem Willen der Gendarmerie gegangen wäre, hätte sich am Abend des 25. November noch eine zweite Katastrophe dieser Art ereignen können. Es ist begreiflich, daß die erregte Bevölkerung vor der Totenkammer auf der Straße stand und diskutierte, daß die Arbeitskollegen des erschossenen Hauck hingehen wollten, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Es hat nicht viel gefehlt, so wäre durch das brutale Eingreifen der Gendarmerie ein neuer Zusammenstoß entstanden. Die Gendarmerie hat sogar den gramgebeugten, gebrochenen Vater des Toten bedroht. (Výkøiky sen. Starka.)

Ein schlesisches bürgerliches Blatt meinte, das Vorgehen des Leiters der Bezirksverwaltung Jakubovský sei darauf zurückzuführen, daß angeblich ein kommunistischer Abgeordneter und Senator Langer im Bezirke agitierten. Ich muß schon sagen: Wir kennen den Herrn Rat Jakubovský schon lange und wissen, daß er die verkörperte Ängstlichkeit ist. Aber in diesem Falle scheint nicht so sehr die Angst mitgespielt zu haben, als der Umstand, daß man sich durch den Erlaß eine Rechtfertigung des vollständigen Versagens am 25. November verschaffen wollte. Der Erlaß wird natürlich genau das Gegenteil dessen erreichen, was er beabsichtigt, und das Vor

gehen der Gendarmerie wird nur dazu beitragen, daß Unruhe, Verärgerung, Verbitterung in die Bevölkerung getragen werden. Wenn Herr Jakubovský mithelfen will, die kommunistische Bewegung dort oben einzudämmen und zu bekämpfen, wird er sich andere Maßnahmen aussuchen müssen. Es herrscht dort oben sprichwörtliche Not, es ist ein typisches Notstandsgebiet, man muß die Arbeiter dort aufklären und nicht willkürlich Märtyrer schaffen. Wir verlangen, daß man die Versammlungen ruhig abhalten läßt. Es ist ja ein Wahnsinn, wegen Nichtigkeiten eine große Staatsmacht aufzubieten und die Sache so aufzubauschen, alsob der Staat wegen einer Versammlung in Gefahr wäre. Wir verurteilen diesen Erlaß auf das entschiedenste und protestieren gegen die Provokation der Bevölkerung durch das Gendarmerieaufgebot. Der Kurs in Freiwaldau muß zu einer weiteren Katastrophe führen, wenn nicht rechtzeitig Abhilfe geschaffen wird. Wir verlangen von der Regierung, vom Minister des Innern, ein rechtzeitiges Eingreifen, bevor ein weiteres Unheil geschieht. (Potlesk.)

2. Øeè sen. Köhlera.

Meine Damen und Herren! Mein Parteikollege Abg. Richard Köhler hat im Einvernehmen mit dem Deutschen Verband der Handels- und Industrieangestellten und der Arbeitsgemeinschaft aller deutschen Gehilfenausschüsse Anfang Oktober zwei Interpellationen in Angelegenheit des Fünfuhrladenschlusses im Handelsgewerbe an den Herrn Handelsminister und den Herrn Minister für soziale Fürsorge eingebracht. Aus dieser Interpellation geht hervor, daß die Bemühungen der Angestellten im Handelsgewerbe um Einführung des Fünfuhrladenschlusses am 24. Dezember bereits von einigem Erfolg begleitet waren. Es haben bereits 84 Handelsgenossenschaften und Gremien ihre Äußerungen erstattet, von diesen waren 54 Genossenschaften für den Fünfuhrladenschluß, 25 Genossenschaften waren bereit, um 6 Uhr zu schließen, wollten aber ihren Angestellten schon um 5 Uhr frei geben. Um aber in dieser Ange

legenheit ganze Arbeit zu machen, verlangte eine. Anzahl von Genossenschaften ausdrücklich die gesetzliche Festlegung des Fünfuhrladenschlusses. Ebenso sprachen sich die Landesverbände der Handelsgenossenschaften und Gremien in Böhmen und Mähren

Schlesien für den früheren Ladenschluß aus. Damit ist nachgewiesen, daß die Organisationen der Kaufleute, sowie die Kaufleute selbst einer Einführung des Fünfuhrladenschlusses am Heiligen Abend durchaus sympathisch gegenüberstehen. Bei dieser Gelegenheit muß ich darauf hinweisen, daß im benachbarten Deutschen Reich der Fünfuhrladenschluß am Heiligen Abend reichsgesetzlich allgemein eingeführt ist. Es waren also schon im Vorjahre alle Voraussetzungen für die Einführung des Fünfuhrladenschlusses gegeben und es lag kein zwingender Grund vor, den dem Abgeordnetenhause vorgelegten Gesetzentwurf nicht zu behandeln und seine. Verwirklichung wieder hinauszuschieben, wie das zur. Überraschnng aller beteiligten Kreise im letzten Augenblick geschehen ist. Ein solches Gesetz wäre schon im Vorjahre in allen Kreisen lebhaft begrüßt worden, weil sich auch die Kaufleute an einen einheitlichen Ladenschluß gebunden betrachten und diesen Zustand unbedingt freiwilligen Vereinbarungen vorziehen. Ein Einspruch des Handelsministeriums wäre schon mit Rücksicht auf diese Tatsachen schwer zu verstehen.

Der vorliegende Gesetzentwurf nimmt diesmal den umgekehrten Weg. Man läßt heuer dem Senat das Vorrecht zu entscheiden. Der Regierungsentwurf besteht aus vier Paragraphen. Das Strafausmaß im § 2 erscheint uns mit 1000 Kè für die heutigen Wirtschaftsverhältnisse etwas hoch. Wir hoffen aber zuversichtlich, daß die Kaufleute und Genossenschaften auf die strenge Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen selbst sehen und dadurch den Bezirksämtern keinen Anlaß zu Strafmaßnahmen geben. Sollten in einzelnen Fällen Übertre­ tungen zur Anzeige gelangen, so erwarten wir besonders bei den kleineren Kaufleuten, welche unter der heutigen Wirtschaftskrise schwer zu leiden haben, daß bei Strafen auf die Vermögensverhältnisse Rücksicht genommen wird. Verständnis der Behörden müssen wir aber auch in Fragen der rücksichtslosen Steuereintreibungen in Handel und Gewerbe verlangen, welche in den durch dauernde Arbeitslosigkeit betroffenen Notstandsgebieten vorhanden sind. Die Angestellten und Arbeiter verlangen Verständnis für den notwendigen sozialen Fortschritt, sie verlangen aber auch, daß die Existenz Tausender Handels- und Gewerbetreibender nicht durch unvernünftige Maßnahmen vernichtet wird, weil sich das wieder zum Nachteil der Angestellten auswirken muß. Es ist falsch, behaupten zu wollen, daß sich der Staat um private Dinge nicht kümmern soll, er kümmert sich ja ohnehin um alles Mögliche. Zuerst die heimische Wirtschaft und Erhaltung der Kaufkraft der arbeitenden Menschen, und dann erst. Kanonen und Flugzeuge oder Luxuspropaganda in fremden Staaten. Eine langjährige sozialpolitische Forderung der kaufmännischen Angestellten soll nun erfüllt werden. Unerfüllt aber bleiben die Forderungen nach einem Kollektivvertragsgesetz mit Einigungsämtern, nach Errichtung von Angestellteninspektoraten zur Kontrolle aller gesetzlichen Schutzbestimmungen für die Privatangestellten, sowie die Herausgabe einer Kündigungsschutzverordnung. Unsere Bemühungen um weitere bezirksweise Regelung der Sonntagsruhe stoßen noch immer auf die größten Widerstände des Handelsministeriums. Um den Wünschen aller Handelsangestellten in. dieser Beziehung Rechnung zu tragen, müßte die gesetzliche Einführung der Sonntagsruhe im ganzen Staat erwogen werden. Angestellte und Arbeiter haben große Opfer gebracht, sie haben daher auch das Recht zu verlangen, daß ihren dringendsten sozialpolitischen Forderungen Rechnung getragen wird. Wir sehen im vorliegenden Gesetzentwurf den Anfang und werden daher für ihn stimmen.

Bei dieser Gelegenheit muß ich ebenso wie mein Vorredner auf den Erlaß des Herrn Rats Jakubovský in Freiwaldan hinweisen. Das ist ein Erlaß, den niemand versteht und der sich besonders schwer auch für alle Handels- und Gewerbetreibenden auswirken wird, weil gerade in der gegenwärtigen Zeit wieder mit einem Fremdenzustrom nach Freiwaldau gerechnet werden muß. Es ist eine bekannte Tatsache, daß mit dem Augenblick, wo der Schnee einsetzt, auch in Freiwaldau sich die Fremden einfinden, um dem Sport zu huldigen, und es wäre daher vernünftiger gewesen, man hätte kommunistische Agitationen auf andere Weise hintanzuhalten versucht, als mit einem Erlaß, der wieder Handel und Gewerbe aufs äußerste schädigen wird. (Potlesk.)

5. Øec sen. Pilze.

Hoher Senat! Schon vor anderthalb Jahren wurde meine Auslieferung beantragt und schon damals habe ich zur Sache gesprochen. Nach dieser Zeit fällt es der Koalition auf einmal ein, mich neuerlich auszuliefern. Es wurde mir zur Last gelegt, mich gegen die §§ 81, 82, 280, 312 Str.-G. und §§ 3 und 19 Ver. Ges. vergangen zu haben, die besagen, daß ich mich angeblich an der Staatsgewalt vergriffen habe. Ich erkläre, daß ich durch Hunderte Zeugen beweisen kann, daß das nicht wahr ist. Ich habe mich niemals bis heute an der Staatsgewalt vergriffen. In Gablonz wurde ich am, 12. Februar halb tot geprügelt und dort habe ich in Notwehr gehandelt. Damals wurden mir dort fast alle Knochen zerbrochen, so daß ich 4 bis 5 Wochen krank war. Ich habe mich damals zweier Invaliden angenommen und habe die Polizei gebeten, diese Leute in Ruhe zu lassen. Niemals habe ich einen Polizisten, niemals habe ich einen Gendarmen beleidigt, habe nie einen einzigen Finger gegen sie erhoben. Ich wurde damals derart geschlagen, daß mir die Legitimation aus der Hand fiel. Ich wurde so ins Gesicht geschlagen, daß mir die Nase aufgesprungen ist, ich habe mindestens 50 Hiebe bekommen. Ich wehrte mich also damals nur.

Am B. Juni kam ich aufs Rathaus in Beichenberg wegen einer Intervention. Es waren 40 Polizisten anwesend, so daß sogar Bürgerliche sagten, in dieser Situation sei es ganz ausgeschlossen, daß sich jemand an der Polizei vergreifen könne. Ich bin mit den Händen auf dem Rücken auf und ab gegangen und konnte natürlich niemanden anrühren. Heute wird mir noch obendrein dafür, daß ich damals niedergeschlagen wurde, zur Last gelegt, mich an der Polizei vergriffen zu haben. Das ist das Unerhörteste und erinnert an mittelalterliche Zustände. Durch Zeugen ist einwandfrei nachgewiesen, daß die Behauptungen der Polizei unwahr sind. Es sind 10 Leute verhaftet worden, ich kenne keinen einzigen von ihnen. Ich wiederhole noch einmal, ich protestiere dagegen, da ich tatsächlich keinen Finger gerührt habe.

Ein halbes Jahr nach dieser Begebenheit trifft mich in Reichenberg auf der Straße ein Arbeiter namens Neumann. Der Mann erzählte mir, er sei im Polizeiarrest geprügelt worden, da er aussägen sollte, daß ich mich an der Polizei vergriffen hätte. Er sagte, das könne er nicht tun, weil das überhaupt nicht der Fall gewesen sei. Solche Mittel wurden also angewendet, um einen Zeugen zu finden, um gegen mich aussagen zu können. Es hat sich kein Zeuge außer der Polizei gefunden.

Daß die Polizei lügen kann und notorisch lügt, ist aus einem Artikel der >Reichenberger Zeitung< zu ersehen. Es wurde seinerzeit der Hüttenbesitzer und Fabrikant Priebsch von der Polizei verprügelt. Die betreffenden Polizisten wurden freigesprochen. Das Berufungsgericht hat das Urteil aufgehoben und es wurden die drei in Betracht kommenden Polizisten, zwei Kommissäre und ein Inspektor, verurteilt; der Inspektor zu 200 Kè Geldstrafe, die beiden Kommissäre zu je 100 Kè. Es ist also nachgewiesen, daß die Polizei doch gelogen hat.

Ich erkläre noch einmal: Ich bettle nicht, machen Sie, was Sie wollen, ich habe mich an der Polizei nicht vergriffen, es ist eine Unwahrheit, wenn das behauptet wurde. Ich habe nur in Notwehr gehandelt, als ich in Gefahr war, totgeschlagen zu werden. Der Polizeikommissär, der mich angriff, sagte: >Ich zerhacke den Kerl<, und zog den Säbel gegen mich. Ich wurde von drei Polizisten ununterbrochen geschlagen, ohne daß ich ein einziges Wort gesagt hätte. Das ist der wahre Sachverhalt und dafür habe ich Hunderte von Zeugen.

Jetzt noch einige Worte zum Blutbad in Setzdorf. Ich war eine ganze Woche dort, habe mit der Bevölkerung Fühlung genommen, ich suchte im Spital die Verwundeten auf und habe mit ihnen gesprochen. Ein Kollege war in Niederlindewiese und unterhielt sich mit Dr Schrott. Der Fabrikant Kluge aus Hermannseifen, ein großer Fabriksbesitzer, also ein unvoreingenommener Zeuge, kam zufällig in die Nähe des Tatortes und beobachtete, wie Gendarmen hinter einer Scheuer planmäßig vorsprangen, in die Menge schossen und sich wieder hinter der Scheune verbargen, genau so wie es im Felde der Fall war. Die Verwundeten befanden sich nicht vorne bei den Demonstranten, sondern Hunderte Schritte weiter rückwärts, wo der Zug eine Biegung machte auf der Straße nach Setzdorf. Alle Verwundeten, die im Spital liegen, gegenwärtig sind es 20, haben zwei bis drei Schüsse, meist von rückwärts bekommen. Man sieht also, daß dieses Blutbad vorsätzlich angerichtet wurde. Die Arbeiter von Freiwaldau haben schon 20 Jahre Demonstrationen veranstaltet, aber nie und auch jetzt nicht mit der Absicht zu plündern oder Fenster einzuschlagen. Ihre Absicht war nur, für die Forderungen der roten Gewerkschaft zu demonstrieren. Sie wollten Arbeit und Brot. Sie waren auch nicht bewaffnet. Wenn einzelne von ihnen Stöcke hatten, so läßt sich das nicht vermeiden und ist keine Bewaffnung. Daß die Arbeiter nicht die Absicht hatte, mit der Gendarmerie zusammenzustoßen, beweist die Tatsache, daß sie ihr zweimal ausgewichen sind.

Was Koll. Jokl über den Koll. Hadek gesagt hat, ist eine vollständige Unwahrheit. Koll. Hadek ist gerade mit dem Motorrad dazugekommen, als die Gendarmen bereits geschossen hatten, und als er vom Motorrad absprang und zu den Verwundeten gehen wollte, haben ihn die Gendarmen mit den Kolben in einem Graben hineingestoßen. So war es und nicht anders. Es ist also nicht wahr, daß Koll. Hadek sich nicht blicken ließ und sich nicht um die Arbeiter gekümmert habe.

Das schlimmste und traurigste aber ist, daß jetzt in Setzdorf ein Heerlager von Gendarmen zusammengezogen wurde. Seit Montag früh gehen die Gendarmen in alle Kalk- und Steinbrüche und verhören jeden einzelnen Mann. Seit dem 2. Dezember ist dort der Ausnahmszustand verhängt und gestern abends hat man bereits 5 Arbeiter und 3 Arbeiterinnen verhaftet und nach Troppau abgeführt, darunter eine 60jährige gebeugte Frau und ein junges nervenkrankes Mädchen. Die Mörder gehen jetzt noch in die Häuser und verhören die Opfer ihrer Taten. Ist das wirklich noch eine Staatsordnung, daß die eigenen Mörder noch sich an den Opfern vergreifen dürfen? Diese Gewaltmaßnahmen und dieses ungeheuerliche Vorgehen der Gendarmerie und der Behörden wirkt selbstverständlich ungeheuer aufreizend und verbitternd. Ich glaube, hohes Haus, daß hier Wandel geschaffen werden muß.

Wir als Kommunisten machen keinen Hehl daraus: Wenn diese Dinge nicht anders werden, dann werden sich die Arbeiter das nicht gefallen lassen. Ich habe mit hunderten Arbeitern gesprochen, die alle fragen, wie sie dazukommen, daß sie, die nichts verbrochen haben, noch terrorisiert werden. Wie kommen wir dazu, fragen sie, daß wir ermordet, verwundet, verfolgt und eingesperrt werden? Diesem Zustand muß ein Ende bereitet werden, sonst lehnen wir die Verantwortung ab, was die Arbeiter tun werden, sollen sie tun, wir werden sie nicht zurückhalten, wenn es nicht anders wird und wenn sie zu solchen Mitteln greifen, um sich selbst zu schützen. (Potlesk.)